Vorschau / Bestellen

I n h a l t

  1. Vorbemerkung

    frei nach Georges Brassens:

  2. Freunde, die geh'n vor!
    - nach „Les copains d’abord
  3. Der schlechte Ruf
    - nach „La mauvaise réputation
  4. Zuhause im Klapheckenhof
    - Parodie auf „La mauvaise réputation
  5. Das wilde Kraut
    - nach „La mauvaise herbe
  6. Lied für den Ausländer
    - nach „Chanson pour l’Auvergnat
  7. Armer Martin
    - nach „Pauvre Martin
  8. Unser Zeitalter
  9. Saturn
    - nach „Saturne
  10. Der Nicht-Heiratsantrag / Nun seid so frei
    - nach „La non-demande en mariage
  11. Ich werde ganz klein
    - nach „Je m’suis fait tout p’tit
  12. Das Rendezvous
    - nach „J’ai rendez-vous avec vous
  13. Sterben für Ideen
    - nach „Mourir pour des idées
  14. 95 Prozent
    - nach „95 fois sur cent
  15. Liebende auf öffentlichen Bänken
    - nach „Les amoureux des bancs publics
  16. Bildhübsches Blümchen
    - nach „Une jolie fleur
  17. Bildhübsches Merkel / Une jolie Merkel
    - Parodien
  18. Im glasklaren Wasser der Quelle
    - nach „Dans l’eau de la claire fontaine
  19. Der gute Gatte
    - nach „Bonhomme
  20. Der (Rettungs-)Paraplü
    - nach „Le parapluie
  21. Fernande
    - nach „Fernande

    frei nach anderen Autoren und eigene Texte:

  22. Carcassonne
    - nach „Carcassonne“ (Gustave Nadaud)
  23. Mitternacht im Regen
    - nach „La pluie fait des claquettes“ (Claude Nougaro)
  24. Panzerketten
    - nach „Les chenilles“ (Claude Nougaro)
  25. Des einen Freund des andern Feind
    - neuer Text auf „Les uns contre les autres“ (Michel Berger)
  26. Mèci bon Dié
    - frei nach einem Volkslied aus Haïti
  27. Mit untertänigstem Verlaub
    - neuer Text auf „Sauf le respect, que je vous doix“ (G.Brassens)
  28. Glückliche Liebe gibt es nicht
    - nach „Il n’y a pas d’amour heureux“ (L.Aragon)
  29. Das rote Plakat
    - nach „L’affiche rouge“ (Louis Aragon)
  30. Die Unsichtbaren / Les Invisibles
    - neuer Text auf „Les passantes“ (G.Brassens)
  31. Was ist das nur für ein Leben?
    - nach „La vida no vale nada“ (P. Milanés)
  32. Der kleine verlorene Ball
    - nach „Le p’tit bal perdu“ (Robert Nyel)
  33. Im Ruhrgebiet
    - 'Parodie' auf „Göttingen“ (Barbara)
  34. Verehrter Präsident
    - nach „Le déserteur“ (Boris Vian)
  35. Wenn Zeit vergeht / Au temps passant
    - nach „As time goes by“ (Herman Hupfeld)
  36. Wie gestern
    - nach „Comme hier“ (Paul Fort, Musik: Georges Brassens)
  37. Herbstlaub
    - nach „Les feuilles mortes“ (Jaques Prévert)
  38. Youkali
    - nach „Youkali” (Kurt Weill und Roger Fernay)
  39. Posthumer Brief eines Vaters an G.B.
  40. Georges Brassens
    - Kurzbiografie



In der Reihe "Leos unverfrorene Abgesänge" der
ABSÄNGEREI & BRASSENSERIE leo.kowald.org
sind 2014 bei Amazon als Taschenbuch erschienen:

Leobald Loewe: Brassens chanté en allemand
    32 Chansons von Georges Brassens und Anderen auf deutsch
    Bestellung (36 Seiten Farbdruck, 9€) - MP3-Hörproben

Leo Kowald: Zieht euch warm an!
    Leos unverfrorene Abgesänge wider die heraufziehende Kälte
    Bestellung (36 Seiten Farbdruck, 9€) - MP3-Hörproben



Creative Commons
2014 Absängerei & Brassenserie Leo Kowald, Gelsenkirchen.
Dieser Inhalt ist unter eine Creative Commons-Lizenz gestellt.
Nichtkommerzielle Wiedergabe in humanistischem Kontext erwünscht!

          zurück zum Inhalt          

Vorbemerkung

Im Chanson kommen Musik und Poesie zusammen, die Worte fügen den Klängen einen „Film“ (Kopfkino) hinzu, ohne dessen Verständnis ein Chanson nicht erfasst und genossen werden kann. Ziel meiner Arbeit ist es, einige der schönsten Chansons von Georges Brassens und anderen auf deutsch singbar (und damit diesen Film einem deutsch­sprachigen Publikum überhaupt erst zugänglich) zu machen, und zwar in einer bühnen­reifen musikalischen Qualität. Dabei ist es durchaus nicht meine Absicht, im literarischen Sinne original­getreue (geschweige denn autorisierte) Über­setzungen abzuliefern. Es handelt sich hier vielmehr um deutsche Lieder­texte, die sich nur möglichst nah am Original orientieren.

Wortgetreue Übersetzungen von Gedichten und Liedern kann es ohnehin nicht geben. Neben dem Wortsinn sind u. a. die Metrik, die Prosodie (Sprach­melodie und -rhythmus), Wort­spiele und Reime von Bedeutung. Bei einer Über­setzung gehen z. B. alle "jeux de mots", Wort­spiele mit Doppel­bedeutungen, die in der französischen Lyrik und gerade in den Liedern Georges Brassens’ eine große Rolle spielen, zwangs­läufig verloren. Über­tragung bedeutet immer auch Transport in eine andere Kultur mit anderer Geschichte, anderen Metaphern, literarischen Bezügen etc.. Oft gibt es keine äquivalenten Begriffe und die Sprachen klingen verschieden.

Wenn man ein Gedicht mit einem Gemälde vergleicht und die nicht-über­setzbaren Kompo­nenten mit den Farben gleichsetzt, dann liefert eine Über­setzung besten­falls eine scharfe Schwarz-Weiß-Kopie. Erst wenn man zum Pinsel und zur Farbpalette der Ziel­sprache greift, kann man daraus wieder ein farbiges Bild machen, d. h. den Text zum Klingen bringen. Besonders wenn man auch noch musika­lischen Ansprüchen genügen will, reichen literarische Über­setzungs­methoden nicht mehr aus; es müssen nicht-über­tragbare Bestand­teile schöp­ferisch und mutig durch eigene Elemente ersetzt oder ergänzt werden. In der Werbung wird diese Form der Adaption auch Trans­kreation genannt. Man muss also selbst zum Lieder­macher werden und von seiner Kreativität Gebrauch machen. Je wörtlicher man sich ans Original zu halten versucht, um so schwieriger wird es, geeignete Lösungen zu finden. Deshalb kann eine gute Lied-Über­tragung auch nur eine Inter­pretation - und nicht etwa die allein gültige "Übersetzung" sein!

Es gibt m. E. kaum schlimmeres für einen Lieder­text als wegen Reim- oder Bedeutungs­zwangs gekünstelte, geschraubte oder fehl­betonte Formulierungen. Deshalb habe ich mich spätestens gegen Ende der Arbeit - mit dem Original­text im Hinter­kopf - fast voll­ständig vom Original gelöst und mich nur noch der inneren Stimmigkeit und Poesie des neuen Liedes gewidmet. Ich habe mich dennoch sehr um Original­treue bemüht in dem Sinne, dass der musikalische Charakter des Liedes und der beim Zuhörer ablaufende "Film" mit seinem Subtext erhalten bleibt. Maxime: Möglichst viel von der Idee, vom Witz und Tenor des Originals zu erhalten und sie nicht mut­willig oder fahr­lässig zu verfälschen, zu verwässern oder gar zu "verbessern" (keine Selbst­ver­ständ­lichkeit, wie ich beim Studium manch biermannscher „Über­setzung“ leider fest­stellen musste)!

Prioritäten: 1. Film ([Hinter-]Sinn, Witz), 2. Musik (Rhythmus, Melodie), 3. Reime

Um sich einem großen Künstler wie Georges Brassens als kleiner Lieder­macher nähern zu können, musste ich ihn - bei allem nötigen Respekt - ein wenig zu mir herunter holen von dem Sockel, auf den er von seinen vielen Verehrern in aller Welt (sicher nicht zu Unrecht) gehoben wurde (ich finde nur, man sollte ihn eher lieben als verehren!). Aber ein Podest passt ohnehin nicht zu ihm, nicht zu seiner Schüchtern­heit auf der Bühne und seiner „feinen Poesie mit einfachen Worten“ (Maxime le Forestier). Ich habe gar nicht erst versucht, diese irgendwie zu imitieren, mich jedoch sehr darum bemüht, ihr mit den mir zur Verfügung stehenden Fähig­keiten und meinem vielleicht allzu schlichten Sprach­stil (Verzicht auf 'lyrisches' Romanti­sieren) halbwegs gerecht zu werden:

Seiner genauen, bilder­reichen Sprache in zarten bis deftigen, oft der Alltags­sprache entnommenen Sätzen, der präzisen Metrik, den perfekt zur Musik passenden Sprach­melodien und -rhythmen mit gelegentlich absichtsvoll einge­streuten „Stolper­stellen“, seiner doppel­bödigen Ironie und seinem scharfen Wort­witz. Und obwohl ich seine Vorliebe für antike und religiöse Zitate nicht so teile, habe ich mich doch auch um sie bemüht.
24.4.2013 Leobald Loewe

          zurück zum Inhalt          

Freunde, die geh’n vor!

(Oktober 2009, frei nach „Les copains d’abord“ von G. Brassens, 1964)

Nein, auf dem Boot war halb so groß
die Not wie auf Medusas Floß,
wie man beim Kai-Spelunken-Wirt
so im Dunkeln hört,
es schwamm gemütlich kreuz und quer
im großen Ententeich umher
und nannte sich: „Die Freunde vor!
Freunde, die geh’n vor!“

[ Der Spruch „Sie schwankt, doch geht nicht unter“,
  der traf haargenau den Punkt
  der manchen Hafenspökenkiekern
  gar nicht gefiel,
  der Kapitän und seine Leut’
  war’n keine hundsgemeine Meut’,
  sie hatten Freundschaft sich geschwor’n:
  „Freunde, die geh’n vor!“ ]

Das war kein Club der feinen Pinkel
aus Moritz und Reit-im-Winkl
aber auch kein Sündenpfuhl,
auch kein Sündenpfuhl,
Goethes und Schillers Sprechmanier’n,
mit denen konnt’ sich keiner zier’n,
sie grölten gern und laut im Chor:
„Freunde, die geh’n vor!“

[ Sie schauten nicht wie Engel aus,
  noch kannten sich mit Bibeln aus,
  doch liebten sie’s, wenn sich der Wind
  im Segel verfing!
  „Hans-Peter, Paul und Companie“
  war ihre Teleologie,
  ihr Credo und Confiteor:
  „Freunde, die geh’n vor!“ ]

Die Freundschaft übernahm die Wacht
in mancher heißumkämpften Nacht,
sie war der Kompass, der sie wies,
die Richtung sie wies,
und war’n sie echt einmal im Stress
und brauchten Hilfe, S.O.S.,
dann flaggten sie in Semaphor’n:
„Freunde, die geh’n vor!“

Zum Rendezvous im Freundeskrei-
se kamen alle gern herbei
und fehlte einer mal an Bord,
dann war er schon tot!
Er hinterließ ein Loch im Meer,
das schließt sich über ihm nie mehr,
in hundert Jahren fehlt er noch,
fehlt er immer noch!

Ich fuhr nie wieder auf 'nem Boot,
das so gut Kurs gehalten hat
und solche Stürme überstand,
Stürme überstand,
es schwamm gemütlich kreuz und quer
im großen Ententeich umher
und nannte sich: „Die Freunde vor
Freunde, die geh’n vor!“

Théodore Géricault: Das Floß der Medusa

1816 hatte England die westafrikanische Kolonie Senegal an Frankreich zurückgegeben. Deshalb schickte die französische Regierung vier Fregatten mit Infanteristen, Verwaltungsbeamten und Forschern zur Absicherung ihrer Kolonie nach Afrika. Zu diesem Konvoi gehörte auch die „Méduse“.

Nachdem das Schiff auf Grund gelaufen und ein Freikommen unmöglich war, befahl der Kapitän, ein Floß aus den Masten und Rahen der Medusa zu bauen, da für die 400 Menschen an Bord nur 6 Boote vorhanden waren. Das nur 8 Meter breite und 15 Meter lange Floß musste 149 Menschen aufnehmen. Die Boote sollten das Floß hinter sich her an Land ziehen. Doch schon bald wurden die Seile gekappt. Auf dem nun hilflos treibenden Floß kam es bald zu Kannibalismus und am Ende konnten nur noch 15 Menschen gerettet werden.

          zurück zum Inhalt          

Der schlechte Ruf

(Nov.2007, frei nach „La mauvaise réputation“ von G. Brassens, 1952)

Dieses Beispiel fein-herben Brassens’schen Humors ist natürlich KEIN Minderheiten-feindliches Lied. Im Gegenteil!

Im Dorf ist, wenn ich ehrlich bin,
schon mein guter Ruf dahin.
Ich halt’ den Mund und müh’ mich sehr,
aber ich gelt’ als, weiß nicht, wer!
Ach, ich tu’ doch niemandem 'was zuleide,
alldieweil ich auf meinem Holzweg bleibe.
Aber die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
nein, die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
über mich reden alle schlecht,
außer die Stummen - natürlich nicht!

Am Tag der deutschen Einheit bleib’
ich schön im Bett bei meinem Weib,
denn beim Marschkapellenspiel
regt sich in meinem Herz nicht viel.
Ach, ich bin doch nicht schon ein Volksverräter,
nur weil ich nicht mit sing’ beim „Täteräta“.
Aber die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
nein, die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
mit Fingern zeigen sie auf mich,
die Amputierten - natürlich nich'!

Ist ein Kartoffeldieb im Pech,
rennt ihm der Landwirt über'n Weg,
mischt mein linkes Bein sich ein,
segelt der Arsch in'n Dreck hinein.
Ach, ich greif' doch niemandem in die Tasche,
nur weil ich die Spitzbuben laufen lasse.
Aber die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
nein, die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
sie alle stürzen sich auf mich,
außer die Krüppel - natürlich nich'!

Ich muss nicht Jeremias sein
um euch mein Los zu prophezei’n:
Finden sie einen festen Strick,
schlingen sie den um mein Genick.
Ach, ich mach doch niemandem je Probleme,
nur weil ich die Wege nach Rom nicht nehme.
Aber die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
nein, die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
alle schau’n zu, wenn man mich hängt,
außer die Blinden - wie man sich denkt!

          zurück zum Inhalt          

Zuhause im Klapheckenhof

(Dez. 2008, keine Nachdichtung, Parodie auf „La mauvaise réputation“ von G. Brassens, 1952)

Zuhause im Klapheckenhof
hab’ ich 'n ziemlich schlechten Ruf,
ich halt’ den Mund und müh’ mich sehr
aber ich gelt’ als, weiß nicht, wer!
Ach, ich tu’ doch niemandem 'was zu Leide,
alldieweil ich auf meinem Holzweg bleibe,
aber die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
nein die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
über mich reden alle schlecht,
außer die Stummen - natürlich nicht!

Spielt der FC Schalke, bleib’
ich schön im Bett bei meinem Weib,
kommt von draußen Torgeschrei,
geht mir das glatt am Arsch vorbei!
Ach, ich bin doch nicht schon ein Volksverräter
nur weil ich nicht mitjuble beim Elfmeter,
aber die Leute mögen nicht die,
die andre Spiele spiel’n als sie,
nein die Leute mögen nicht die,
die andre Spiele spiel’n als sie,
mit Fingern zeigen sie auf mich,
die Amputierten - natürlich nich'!

Hör’ ich 'n Altbekannten, der
zieht über Asylanten her,
misch’ ich mich ein, bin nicht mehr still,
weil ich den Mist nicht hören will!
Ach, ich tret’ doch niemandem auf die Füße,
nur weil ich den Ärmsten mich nicht verschließe,
aber die Leute mögen es nicht,
wenn man nicht ihre Sprache spricht,
nein, die Leute mögen es nicht,
wenn man nicht ihre Sprache spricht,
Sie alle stürzen sich auf mich,
außer die Krüppel - natürlich nich'!

Ich muss kein Zukunftsforscher sein
um euch mein Los zu prophezei’n:
Finden sie einen festen Strick,
schlingen sie den um mein Genick!
Ach, ich mach doch niemandem je Probleme,
nur weil ich die Wege nach Rom nicht nehme,
aber die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
nein, die Leute mögen nicht die,
die andre Wege geh’n als sie,
alle schau’n zu, wenn man mich hängt,
außer die Blinden - wie man sich denkt!

          zurück zum Inhalt          

Das wilde Kraut

( Okt.2007, frei nach „La mauvaise herbe“ von G. Brassens, 1954)

V. van Gogh: Der Schnitter Intro: Anfangsmelodie der Marseillaise

Wenn mich der Tag des Ruhmes weckt,
da all’ die Andern sind verreckt,
steh’ ich allein’ mit meiner Schand’,
dass ich den Heldentod nicht fand.

Ich bin ein wildes Kraut*,
brave Leut’, brave Leut’,
bin das, was man nicht wiederkäut
und nicht zu Garben bindet.
Der Tod mähte die Andern,
brave Leut’, brave Leut’,
dass er mich überseh'n
hat, ist verwerflich aber schön.

|: La la la la la la la la :|
|: Himmel, warum stört’s Euch denn so,
  wenn ich ein bisschen lebe froh! :|

Die herzensgute Straßenmaid,
verleiht mir bei Gelegenheit
heimlichste Spitzen ihrer Haut,
die sie sonst keinem anvertraut!

Ich bin ein wildes Kraut*,
brave Leut’, brave Leut’,
bin das, was man nicht wiederkäut
und nicht zu Sträußen bindet,
Die Andern müssen zahlen,
brave Leut’ brave Leut’,
dass sie sich mir so hin-
gibt, ist verwerflich aber schön.
|: La la la la la la la la :|
|: Himmel, warum stört’s Euch denn so,
  wenn sie mich liebt nur einfach so? :|

V. van Gogh: Garben bindende Frau Der Mensch, so sagt man, lebe brav
in seiner Herde wie ein Schaf,
da möcht’ ich lieber ganz allein
nicht auf dem rechten Wege sein!

Ich bin ein wildes Kraut*,
brave Leut’, brave Leut’,
bin das, was man nicht wiederkäut
und nicht zu Kränzen bindet.
Ich bin ein wildes Kraut*
brave Leut’, brave Leut’,
gedeih in Libertät
auf Wegen, die man selten geht.

|: La la la la la la la la :|
|: Himmel, warum stört’s Euch denn so,
  wenn ich ein bisschen lebe froh? :|

An einer Straßenecke in Marseille

          zurück zum Inhalt          

Lied für den Ausländer

(Juli 2007, frei nach „Chanson pour l’Auvergnat“ von G. Brassens, 1954)

Brot Dieses Lied, es ist für dich,
Händler, der du bereitwillig
vier Scheite Holz gegeben hast,
als mich einst die Kälte erfasst’.
Du warst es, der mir Wärme gab,
als der Betuchte sich knaus’rig gab,
alle, die’s wohlmeinen, schlugen im Nu
die Tür vor der Nase mir zu.

Das bisschen Holz in kalter Zeit
wärmte den Leib ein wenig, doch
in meiner Seele brennt es noch
wie ein Feuer aus purer Freud’!

Händler, wenn dir die Stunde schlägt,
wenn dich der Tod nach oben trägt,
führe er dich - zum Himmel gleich
ins ewige Reich

Dieses Lied, es ist für dich,
Wirtin, die du bereitwillig
vier Scheiben Brot gegeben hast,
als mich einst der Hunger erfasst’.
Du warst es, die mir zu Essen gab,
als der Satte sich knaus’rig gab,
alle, die’s wohlmeinen, fanden es schön,
mich am Hungertuch nagen zu seh’n.

Das Bisschen Brot in kalter Zeit
wärmte den Leib ein wenig, doch
in meiner Seele schmeckt es noch
wie ein Festmahl aus purer Freud’!

Wirtin, wenn dir die Stunde schlägt,
wenn dich der Tod nach oben trägt,
führe er dich - zum Himmel gleich
ins ewige Reich

Dieses Lied, es ist für dich,
Ausländer, der du bereitwillig
freundlich mir zugelächelt hast,
als mich die Gendarmen gefasst.
Du hieltest dich vom Jubel fern,
als die besseren Damen und Herr’n,
alle die’s wohlmeinen, lachten nur
wie man ins Gefängnis mich fuhr.

Das bisschen Trost aus Freundlichkeit
wärmte den Leib ein wenig, doch
in meiner Seele strahlt es noch
wie ein Sonnenlicht aus purer Freud’!

Ausländer, wenn dir die Stunde schlägt,
wenn dich der Tod nach oben trägt,
führe er dich - zum Himmel schnell
zum père éternel!


Dieses berühmteste Lied von Brassens hat als Vorbild offenbar das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter.
In Frankreich gelten die „Auvergnat“s, die Bewohner der Region „Auvergne“ im Zentralmassiv, als einfache, rustikale und eher geizige Menschen, ähnlich wie die Samariter im antiken Palästina. Im Neunzehnten und Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts unterhielten in Paris viele Landflüchtlinge aus der Auvergne kleine Wein-, Holz- und Kohlenläden, weswegen dort bald alle kleinen Brennstoffhändler „an der Ecke“ „Auvergnat“ genannt wurden. Das Wort „Auvergnat“ wurde gar zum Schimpfwort für „unzivilisierte“ Zuwanderer aus der Provinz, auf die der feine Pariser von oben herab schaut. Um diesen Aspekt deutlicher herauszustellen und die Intentionen Brassens’ für deutsche Ohren verständlicher zu machen, heißt meine Nachdichtung nach der dritten Strophe „Lied für den Ausländer“ (Das Wort „étranger“ wird in der französischen Umgangssprache in den meisten Fällen eher in seiner Bedeutung „Ausländer“ denn als „Fremder“ gebraucht).
Zu „Reiche“, „Satte“ und „bessere Damen und Herrn“: „le croquant“ (der Knabbernde, auch der Bauernlümmel) leitet sich ab von „croquer“ = knuspern, zerbeißen, verschwenden. Die „croquants“ bei Brassens sind nicht einfach „Bauernlümmel“, sondern eher reiche Bauern, die ihren Reichtum unlauter erworben haben wie z.B. jene, die sich bei Hamsterverkäufen Ende des 2. Weltkriegs eine goldenen Nase mit der Not der Anderen verdient hatten, worauf Brassens hier offenbar anspielt. Nur so macht die Zeile m.E. „les croquantes et les croquants“ ("die Verschwenderinnen und die Verschwender" mit Anspielung auf die "Bauern") überhaupt Sinn. Der Protagonist dieses Liedes, ein Bettler, bedankt sich bei denen, die normalerweise selbst nichts zu verschenken haben wie der (Kohlen-)Händler/Auvergnat/Samariter, die Wirtin und der Ausländer, aber über ihren Schatten springen, während die "Wohlmeinenden", die im Überfluss haben, ihn im Regen stehen lassen.


          zurück zum Inhalt          

Armer Martín

(Mai 2007, frei nach „Pauvre Martin“ von G. Brassens 1954)

Aus dem Papierkorb gefischt: Schülerzeichnung, 4. Klasse
Collège Cabanis, Brive, 1999 Mit einem Spaten auf der Schulter
mit einer süßen Melodei
[ Melodie nur gepfiffen ]
mit einem großen Mut im Herzen
ging er aufs Feld zur Plackerei.

  Armer Martín, arbeite weiter,
  grabe die Erde, grabe die Zeit!

Bei jedem Wetter schuften, graben
vom Morgenrot bis an die Nacht,
vom Morgenrot bis an die Nacht
um für sein Leben Brot zu haben,
so hat er jeden Tag verbracht.

  Armer Martín, arbeite weiter,
  grabe die Erde, grabe die Zeit!

Und ohne je in seinen Zügen
Ärger zu zeigen oder Neid,
Ärger zu zeigen oder Neid,
ging er das Land der Andern pflügen,
Morgen für Morgen, jederzeit.

  Armer Martín, arbeite weiter,
  grabe die Erde, grabe die Zeit!

Und als der Tod ihm gab ein Zeichen,
das soll das letzte Tagwerk sein,
das soll das letzte Tagwerk sein,
grub er sein Grab um zu verschwinden
selber rasch in die Erde ein.

  Armer Martín, arbeite weiter,
  grabe die Erde, grabe die Zeit!

Er grub sein Grab um zu verschwinden
selber rasch in die Erde ein,
selber rasch in die Erde ein,
und um die Andern nicht zu stören
legte er wortlos sich hinein.

  Armer Martín, ruhe in Frieden,
  schlaf in der Erde, schlaf in der Zeit!

          zurück zum Inhalt          

Unser Zeitalter

(Okt. 2009, frei nach G. Brassens, 1942, eines seiner frühesten Gedichte)

Unser Zeitalter ist ein verdorbenes Zeit-
alter, feige, von Bosheit zerfressen.
Die Kriegsmörder geh’n in die heiligsten Messen
und sind gar die Größten, beliebt allerseits.
Der Dichter verneigt sich vor dem, ders begreift
und scheißt auf die andern.

          zurück zum Inhalt          

Saturn

(Nov. 2007, frei nach „Saturne“ von G. Brassens, 1964)

Ein Lied über den Gott der Zeit.
F. de Goya: Saturn
F. de Goya: Saturn
Er ist schweigsam und oft schlechter Laune,
er ist leitende Gottheit der Zeit,
„Saturn“, welch ein reizender Name
für einen so · drängelnden Geist.

Er verwaltet verdrossen die Phasen
seiner Monde und ödet’s ihn an,
dann piesackt aus Jux er die Rosen,
die Zeit schlägt Zeit · tot wie sie kann.

Er treibt mit uns auf unsere Kosten
seinen Scherz, meine Schöne, dies’ Jahr
streut er eine schimmernde Prise
aus feinem Salz · über Dein Haar.

Gar nicht übel, die Blumen des Herbstes,
ich hab’ all’ unsre Dichter befragt,
und ich schau’ Dich an und beteure,
dass keiner die · Unwahrheit sagt.

Komm doch noch einmal, Du meine Liebste,
komm mit mir in den Garten hinaus,
entblättern wir die Margerite
des Sommers an · Sankt Nikolaus.

Ich kenn’ all’ Deine Reize auswendig,
und wie könnt’ ich sie jemals im Traum
vergessen, da müsste Saturn sich
daraus Türme aus Sanduhren bau’n,
und das niedliche Püppchen
    [/ die kleine Pisseuse ] da kann sich
auch gern wieder anzieh’n und geh’n!


Brassens schrieb dieses Lied mit über vierzig Jahren für seine fast zehn Jahre ältere Lebensgefährtin Joha Heymann, die er liebevoll auf deutsch „Püpchen“ (ohne Doppel-„p“) nannte. Das „niedliche Püppchen“ in dieser Fassung heißt im Original „petite pisseuse“ und meint ein offenbar halbnacktes „junges Ding“.

          zurück zum Inhalt          

Der Nicht-Heiratsantrag

(Dez.2007, frei nach „La non-demande en mariage“ von G.Brassens, 1966)

Wir schießen doch der Minne Pfeil
nicht in ihr eig'nes Hinterteil,
meine Geliebte!
Oft war es um das Glück gescheh’n
des Paares, wenn es fröhlich den
Frevel verübte.

Ich bin so frei
und halt' nicht an
um Dei-
ne Hand,
wir ritzen uns-
re Namen nicht ins
Pergament

Sperr’ nicht die Nachtigallen* ein,
wir sollen nur gefangen sein
von unserm Wollen.
Zur Hölle mit der Küchenmaid,
die Stielen ihre Lust verleiht
an Kasserollen.

  Ich bin so frei...

Die Venus fühlt sich oft allein,
ist sie am End’ mit dem Latein
vor Bratensoßen,
um keinen Preis will ich darin
zerpflücken mit dem Rosmarin
die roten Rosen.

  Ich bin so frei...

Briefmarke aus Burkina-Faso Der Meersirenen Reiz erlischt,
wird sie aus ihrem Teich gefischt
in trock’ne Tücher,
der Liebesbriefe Tinte bleicht
in Blättern von Rezepten leicht
alter Kochbücher.

  Ich bin so frei...

Es soll ja so vernünftig sein,
aus dem verbot'nen Apfel ei-
nen Brei zu kochen,
der, tief im Keller eingeweckt,
nicht mehr nach süßen Früchten schmeckt
in drei-vier Wochen.

  Ich bin so frei...

Ein Stubenmädchen brauch’ ich nicht,
ich werde Dir die Haushaltspflicht-
en gerne schenken.
Als ewiger Verlobter kann
ich an meine Traumfrau dann
immerzu denken. **

  Ich bin so frei…

_______________________________________
*) Die Nachtigall gilt als der Vogel des
    Monats Mai und Symbol der Liebe
**) poetischer: an meine Frau des Herzens dann
    ich immer denken


Nun seid so frei

Nun schießet doch der Minne Pfeil
nicht in ihr sanktes Hinterteil,
ihr zwei Verliebten?
Oft war es um das Glück gescheh’n
den Paaren, die so fröhlich den
Frevel verübten!

Doch seid so frei
und gebt - mein Segen! -
Euch die Hand
und habt viel Glück
mit Eurem Ehestand.

Sperrt nicht die Nachtigallen ein,
Ihr sollet nur gefangen sein
von Eurem Wollen.
Zur Hölle mit der Küchenmaid,
die Stielen ihre Lust verleiht
an Kasserollen.

Doch seid so frei...

Die Venus fühlt sich oft allein,
ist sie am End' mit dem Latein
vor Bratensoßen,
um keinen Preis sollt Ihr darin
zerpflücken mit dem Rosmarin
die roten Rosen.

Doch seid so frei...

Der Meersirenen Glanz erlischt,
wird sie aus ihrem Nass gefischt
in trock'ne Tücher,
der Liebesbriefe Tinte bleicht
in Blättern von Rezepten leicht
alter Kochbücher.

Doch seid so frei...

Es soll ja so vernünftig sein,
aus dem verbot'nen Apfel ein-
en Brei zu kochen,
der, tief im Keller eingeweckt,
bald nicht mehr süß nach Früchten schmeckt
in drei, vier Wochen.

Doch seid so frei...

Als Köchin, Martin, brauchst Du nicht
Annette, wirst die
Haushaltspflicht-
en ihr gern’ schenken,
so bleibt sie Deine Braut und an
ihren tollen Bräutigam
wird sie stets denken...

Nun seid so frei...

          zurück zum Inhalt          

Ich werde ganz klein

(Okt.2007, frei nach „Je m’suis fait tout p’tit“ von G. Brassens 1955)

Lüpfte früher nie meine Mütze für
den oder jenen,
heut' leck' ich mich schön, wenn sie schellt, um ihr
fügsam zu dienen. *
War ein wilder Loewe, bin nun ein Kätz-
chen ohne Mähne,
verlor die spitzen Säbel und habe jetzt
weiche Milchzähne.

  Ich werde ganz klein vor 'ner Puppe, die
  die Augen schließt, wenn man sie wiegt.
  Ich werde ganz klein vor 'ner Puppe, die
  leise Mamá macht, wann man sie bewegt.

Sie hat mich gekocht, mich den härtesten
Brocken von allen,
bis ich ihr ganz weich, zart und heiß vor den
Mund bin gefallen.
Der ist voll von Milchzähnen, wenn sie singt
und wenn sie lächelt
und voll spitzen Säbeln, wenn sie gekränkt
und wütend röchelt.

  Ich werde ganz klein...

Ich erdulde ihre Gebote und
Launen schon immer,
sie ist eifersüchtig auf alles und
jede noch schlimmer.
Sah ein Immergrün, schöner als sie, an
einer Laterne,
da starb das hübsche Ding unerwartet am
Schlag mit dem Schirme.

  Ich werde ganz klein...

Alle Psychologen und Freunde schätz-
ten ohne Häme,
dass in ihren Armen ich meinen letz-
ten Rest bekäme.
Ob es nicht so schlimm oder schlimmer ist,
ist nicht so wichtig,
wohin man sich auch hängt, Hauptsache ist:
Man hängt sich richtig!

  Ich werde ganz klein...

          zurück zum Inhalt          

Das Rendezvous

oder Weil ich mich so auf Euch freu’

(März 2013, frei nach „J'ai rendez-vous avec vous“ von G. Brassens, 1952)

Amor und Psyche Wenn ich dem Sonnen-Gebieter
meine Verehrung verwehr’
und er sein Licht mir nimmt
  stört’s mich heut' nicht sehr,
weil ich mich so auf Euch freu'!
Das Leuchten, das ich präferiere,
funkelt aus Eurem Gesicht
und alles andre ist mir einerlei,
weil ich mich so auf Euch freu'!

Und wenn ich meinem Vermieter
sein Inventar demolier'
und er mir kündigt
  nehme ich’s heut' nicht schwer,
weil ich mich so auf Euch freu'!
Die Bleibe, die ich präferiere,
ist Euer raschelnder Rock
und alles andre ist mir einerlei,
weil ich mich so auf Euch freu'!

Wenn ich der Frau Gastronomin
nicht meine Schulden bezahl'
und sie mich 'rausschmeißt
  dann ist mir's heut' egal,
weil ich mich so auf Euch freu'!
Der Imbiss, den ich präferiere,
ist Euer zartes Genick
und alles andre ist mir einerlei,
weil ich mich so auf Euch freu'!

Die Majestät der Finanzen,
wenn ich nicht tu’, was sie möcht'
und sie ihr Geld behält
  ihr Gold brauch' ich nicht,
weil ich mich so auf Euch freu'!
Der Reichtum, den ich präferiere,
ist Euer feuriges Herz *
und alles andre ist mir einerlei,
weil ich mich so auf Euch freu'!


*) Variante: "ist Euer Herz aus Carbid/Dynamit".


Gitarrenbegleitung:

A    E    A    E	
A    E7   A    A+
D    E7   Aj7  A	
Hm   Hm   F#   F#
F#7  F#7  Hm   Hm	
F#7  F#7  Hm   Hm
F#7  F#7  Hm   Hm	
E7   E7   A    A

          zurück zum Inhalt          

Sterben für Ideen

(Juli 2007, frei nach „Mourir pour des idées“ von G. Brassens, 1972)

Dieses Lied schlug 1972 in Frankreich unter den 68-ern ein wie eine Bombe!

Sterben für die Idee, die Idee ist ausgezeichnet,
ich büßte ohne sie beinah mein Leben ein,
denn jene, die sich den Gedanken angeeignet,
die stürzten nach dem Tode brüllend auf mich ein!
Ich und mein Spottgesang, wir schlossen uns gemeinsam
der überwältigenden Mehrheit reuig an,
mit einem winzig kleinen Vorbehalt daran:
Wir sterben für Ideen, na schön, aber la-hangsam,
na schön, aber ga-hanz la-ha-hangsam!

Die wir das Dasein hier nicht für gefährlich halten
spazieren ganz entspannt zum Ausgang dieser Welt,
wer sich nach vorne drängt, muss oft den Kopf hinhalten
für Werte, deren Kurs gleich morgen wieder fällt.
Es muss schon bitter sein, aus einem süßen Tagtraum
am Ende aufgewacht sich selbst [/vor Gott] einzugesteh’n,
man hatte sich verrannt mit falschen Theorien,
Wir sterben für Ideen, na schön ...

Goldmundige Hierarchen, die fürs Martyrium werben,
die sterben gerne spät, was ihre Jünger freut:
"Gelobt sei die Idee, für die Idee zu sterben!"
das ist ihr Lebensgrund, drum lassen sie sich Zeit.
Hoch über jedem Lager thront ein Weiser einsam,
der bald Methusalem an Jahren überragt,
ich zieh’ den Schluss daraus, dass der sich heimlich sagt:
"Ich sterbe für Ideen, na schön ..."

Heut' werden die Ideen, die Opfern Ruhm verheißen,
von Sekten aller Art am Fließband produziert,
dass sich ein Neuling fragt - bereit, sich zu zerreißen -
für welche der Ideen er bitteschön krepiert.
Und weil sie sich auf diese Weise immer gleich sah'n,
so kommt ein kluger Mensch den Gräbern nicht zu nah’,
wenn er sie da mit ihren großen Fahnen stehen sah:
Wir sterben für Ideen, na schön ...

Und soll man etwa aus Massakern Hoffnung schöpfen,
mit denen alles sich für immer lösen ließ?
Nach all’ den „Großen Tagen“, all’ den gefall’nen Köpfen
lebten wir lange schon im Erdenparadies.
Die goldne Zeit wird immer nur vertagt, wie seltsam ...
und ihre Götter haben Durst auf frisches Blut.
Und das bedeutet Tod und täglich neuen Tod:
Wir sterben für Ideen, na schön ...

Ihr heil’gen Krieger, vor! Stürmt in die Feuerzonen
und sterbt zuerst, ihr werdet drüben schon vermisst!
Könnt ihr, ich fleh’ euch an, dabei die Andern schonen,
für die ihr Leben fast der einz’ge Luxus ist?
Denn der Gevatter ist alleine schon sehr wachsam,
er braucht auch niemanden, der ihm die Sense schwingt.
Schluss mit dem Totentanz, der um die Galgen springt!
Wir sterben für Ideen, na schön, aber la-hangsam,
|: na schön, aber ga-hanz la-ha-hangsam! :| (3x)

          zurück zum Inhalt          

95 Prozent

(1986, frei nach „Quatre vingt-quinze fois sur cent“ von G. Brassens, 1972)

Die Frau, die alles hat, uns zu verwöhnen,
dass wir im Liebesrausche stöhnen,
in brutaler Leidenschaft die Hemmungen verlier’n,
die Frau, sie ist vor allem voll Gefühl:
Hand in Hand im Wald spazieren gehen,
Liebesbriefe, Blumen, Matineen,
jede Wahnsinnstat, sie zu erobern, macht sie an,
aber was kommt dann...
Rubens: Vereinigung von Feuer und Wasser
Rubens: ie Vereinigung von Feuer und Wasser
  Zwanzig mal mit 'nem Mann gevögelt,
  neunzehn mal sich angegöbelt
  und ihm einen vorgeschmeichelt
  - nicht alle Tage, dass man
  ihren Hintern streichelt -
  und der arme Kerl da oben
  fühlt sich nicht einmal belogen,
  während seiner Fleischeslust
  erfährt sie meist nichts als Verdruss,
  bringt man die Gefühle um
  so bleibt es auch im Körper stumm.

Außer wenn sie einen zarten Mann hat
und sie immer Lust auf seinen Charme hat,
immerzu gut drauf und bereit sich hinzugeb’n,
sonst ödet sie es an, dies’ Liebesleb’n!
Oder wenn sie Bock hat auf Tyrannen
oder sie ist krankhaft Nymphomanin,
nur in solchen Fällen reicht es der Begehrten aus,
dies’ Rein-und-raus-und-aus!

  Zwanzig mal...

Dies „Noch einmal“, dies „Guuut“ und „Mach doch weiter“
heuchelt sie zu schmeicheln ihrem Reiter
und sie tut, als ob sie schon im siebten Himmel wär’,
doch leider bleibt das meistens fromme Mär!
Damit er glaubt, er sei ein tolles Mannsbild
treibt sie ihn voran und gibt sich ganz wild,
dass der dumme Gockel, der da auf der Stange sitzt,
nicht enttäuschet ist!

  Zwanzig mal...

Ich höre schon Expertenkommentare
das komme nur von mangelnder Erfahre:
„Wenn ich dabei immer so ein Ungeschickter bin,
dann legt sie sich natürlich nur so hin!“
Meine Damen, wenn die Überfälle stören
dieser Edelbumser, lasst es sie nicht spüren,
dann macht es auf dem Rücken euch bequem und summt dies’ Lied
ganz im Stillen mit!

  Zwanzig mal...


"95%" ist meine allererste Brassens-Nachdichtung für einen meiner ersten Französischkurse!

          zurück zum Inhalt          

Liebende auf öffentlichen Bänken

( Mai 2009, frei nach „Les amoureux des bancs publics“ von G. Brassens, 1952)
Skulptur in einem Park in Montreal
Skulptur in Montreal
Mögen auch die Leute denken,
dass die grünen Bänke
an den Wegen steh’n,
um für Schwergewichte
und Geschwächte da zu sein.
Leider liegen sie verkehrt,
wie die Erfahrung lehrt,
- das können Blinde seh’n -
laden sie verliebte
Paare gerne zu sich ein.

Die jungen Paare auf den Bänken
drücken sich, küssen sich, öffentlich,
kümmern sich um das Getuschel nicht
gaffender Passanten,
die jungen Paare auf den Bänken
drücken sich, küssen sich, öffentlich
und sie sagen sich „Ich liebe Dich“
mit so sympathischem Gesicht!

Wiegen sich in ihren Armen,
malen sich in Farben
ihre Zukunft aus:
Himmelblau soll ihre
Schlafzimmertapete sein!
Und sie seh’n sich ohne Sorgen
glücklich und geborgen
schon im eig’nen Haus,
lachend fallen ihnen
Namen für die Kinder ein

  Die jungen Paare ...

Kreuzt da unterwegs die heilige
Familie eilig
an der Bank vorbei,
giftet sie erregt
„Was ist das eine Schweinerei!“.
Tief im Innern wünschen doch
Gott-Vater, -Mutter, -Tochter
-Sohn und heil’ger Geist,
dass sie sich mal so
benehmen könnten wie die zwei.

  Die jungen Paare ...

Sind die Monate vorbei
der süßen Träumerei,
verblasst in Jahren lang,
wenn ihr Himmel sich mit
dunklen Wolken schwer bedeckt,
merken sie gerührt, dass nur
der Straße Glück sie führte
auf die grüne Bank,
dort, wo sie erfuhren
ihrer Liebe bestes Stück

  Die jungen Paare ...

          zurück zum Inhalt          

Bildhübsches Blümchen

(Juli 2007, frei nach „Une jolie fleur“ von G. Brassens, 1954)

Mit "vache" wird in der französischen Umgangssprache
eine raffinierte und falsche, bösartige Frau bezeichnet.
Die deutsche "Kuh", steht da eher für Einfältigkeit.


Nie auf der Welt kann ein Liebhaber sein
so blind wie ich mich neulich hab’ benommen,
mir fielen beinah die Augen hinein,
als ihrem Mieder sie zu nah’ gekommen.

Bildhübsches Blümchen mit rosa Kuhhaut,
als schöne Blume geschminktes Biest,
das dich verführt und genüsslich zuschaut,
wie du im Herzen zugrunde gehst!

Hat sie der Himmel mit Reizen bestückt!
Mich traf der Blitz, mein Herz fing an zu brennen,
sie hat so viele, ich hab’ nicht geblickt,
nicht mehr gewusst, wohin mit meinen Sinnen...

Bildhübsches Blümchen...

Ich hatte hinter dem hübschen Gesicht
kaum einen Löffel voll Verstand gefunden,
doch für die Liebe verlangen wir nicht
nach einem Mädel, das den Schuss erfunden.

Bildhübsches Blümchen...

Dann eines Tags hat sie’s Weite gesucht,
ließ mich mit schwerem Seelenschaden fallen,
ich hab’ Johanniskrautpillen geschluckt,
die halfen auch nicht gegen meine Qualen.

Bildhübsches Blümchen...

Erst war ich unheimlich sauer, die Wut
ist nun verpufft, mein Herz hat ihr vergeben,
dass sie es brach und ertränkte in Blut,
damit ich’s keiner Andern mehr kann geben

Bildhübsches Blümchen...

          zurück zum Inhalt          

Bildhübsches Merkel

(15. April 2008, Parodie auf „Une jolie fleur“)

Merkel (Ausschnitt) Nie auf der Welt können Linkswähler sein
so blind wie ich Idiot mich hab’ benommen,
mir fielen beinah die Augen hinein
als ihrem Mieder sie zu nah gekommen.

  Bildhübsches Merkel mit rosa Kuhhaut,
  als schöne Blume geschminktes Biest,
  das dich regiert, wie man’s keiner zutraut,
  wobei du langsam zugrunde gehst!

Ich konnte an ihrer schlichten Gestalt
nie einen Flecken zarter Haut erblicken,
nur fürs Regieren, da brauchen sie halt
kein Mädel, das schön nähen kann und stricken.

  Bildhübsches Merkel...

Doch neulich hat sie ein Kleid ausgesucht,
ließ ihre altbewährten Knöpfe knallen,
als ich sie sah, hab’ ich mich fast verschluckt,
sie hatte mir noch nie so gut gefallen

  Bildhübsches Merkel...

Hat sie der Schöpfer mit Reizen bestückt!
Mich traf der Blitz, mein Herz fing an zu brennen,
sie hat so viele, ich hab’ nicht geblickt,
nicht mehr gewusst, wohin mit meinen Stimmen.

  Bildhübsches Merkel...

Wegen dem Bush war ich sauer, die Wut
ist nun verkohlt, ich hab’ Hartz ihr vergeben,
auch find’ ich IH-RE-RE-FORMEN so gut,
kann meine Stimme keiner Ander’n geben!

  Bildhübsches Merkel...

Merkel: "Den Leo an die Kette"
Merkel: Den Leo an die Kette

Une jolie Merkel

(15 juin 2012, Parodie sur „Une jolie fleur“)


Merkel (Ausschnitt) Jamais Outre-Rhin il n’y eut de votants
de gauche plus nuls que moi dans tous les âges
mais faut dire que j’ai perdu la raison
en regardant de trop près son corsage...

Une jolie Merkel dans une peau d’vache
une chancelière vachement décolletée
qui nous gouverne et tellement nous fâche
tant elle nous mèn’ par le bout du nez.

Je n’ai jamais découvert un éclat
de peau rosée au-dessous de sa coiffure
mais pour le gouvernement ils n’ont pas
besoin de filles expertes en couture.

Une jolie Merkel dans une peau d’vache...

Mais une soirée elle s’est mieux habillée
en robe du soir sans ces boutons habituels
quand je l’ai vue, je m’suis presqu' étouffé
je ne l’avais jamais vue, jamais vue si belle.

Une jolie Merkel dans une peau d’vache...

Le ciel l’avait pourvue des mille appâts
qui vous font prendre feu dès qu'on les aperçoit
ell' en a tant que dès lors je n'sais pas
je ne sais plus ou faire aux élections mon choix.

Une jolie Merkel dans une peau d’vache. ..

Ell’ m’a fait dresser les ch’veux sur la tête
mais j’n’ai plus de rancun’ et j’lui pardonne
de mener toute l’Europe à la baguett’
du coup, je ne vot’rai plus pour personne.

Une jolie Merkel dans une peau d’vache
une chancelière vraiment déguisée
qui vous gouverne et toujours vous fâche
jusqu'au jour, où elle sera - licenciée!

          zurück zum Inhalt          

Im glasklaren Wasser der Quelle

(Juni 2008, frei nach „Dans l’eau de la claire fontaine“ von G. Brassens 1962)

Je mehr „Tatorte“ mit Kinderschändern, Sexualstraftätern und Serientriebmördern uns die Freude an der Sexualität rauben und uns mit der überall um sich greifenden Videoüberwachung versöhnen wollen, um so lieber singe ich dieses erotische Lied (Das Objekt der Verführung ist selbstverständlich schon volljährig!):
Botticelli: Flora (Ausschnitt)
Botticelli: Flora (Ausschnitt)
Im glasklaren Wasser der Quelle
hat sie gebadet ganz nackt,
da kam eine Windbö blitzschnelle
und hat sich ihr Kleidchen geschnappt.

In ihrer Not gab sie mir Zeichen,
ihr Lilien und Scheurebenblatt
und Orangenblüten zu reichen, *
weil sie nichts zum Anziehen hat.

Ich hab' ihr aus Rosen ein Mieder
mit Blütenblättern gefügt,
doch war die Schöne so zierlich,
da hat eine Rose genügt.

Und aus einer Ranke vom Wein hab’
ich ihr auch ein Röckchen gemacht,
doch weil die Schöne so klein war,
da reichte ein einziges Blatt.

Sie bot ihre Arme und Lippen
wie um zu danken mir dar,
ich hab’ sie so stürmisch ergriffen,
entblätterte sie ganz und gar.

Ihr schien dieses Spiel zu gefallen,
denn oft ging die Arglose hin
zur Quelle - splitternackt baden
und flehte Gott an: "Schicke Wind,
schick’ bitte Wind!".

__________________________________
*) Bedeutungen in der „Blumensprache“:
Lilie = Reinheit, Unschuld
Orange = Jungfräulichkeit, Fruchtbarkeit
Wein = Rausch
Rose = Eros, Verschwiegenheit

          zurück zum Inhalt          

Der gute Gatte

(Juli 2014, frei nach „Bonhomme“ von Georges Brassens, 1958)

Trotz des kalten Windes Biss
sammelt tief gebeugt die Alte
totes Holz für ihren Mann,
um ihn warm zu halten,
denn ihr guter Gatte wird
bald zuhause sterben.

Traurig geht sie durch den Wald,
wo sie einst vor langen Zeiten
von dem guten Mann geträumt,
ihrem Gatten, den sie liebt,
den sie immer liebte, der
wird zuhause sterben.

Totes Reisig klaubt sie auf
mit verkrümmten, klammen Fingern,
nichts und niemand hält sie auf,
kann sie daran hindern,
denn ihr guter Gatte wird
bald zuhause sterben.

Nein, nichts hält die Alte auf,
nicht die unheilvolle Stimme,
die aus ihrer Furcht heraus
spricht: "Bis du nachhause kommst,
ist vielleicht dein guter Mann
schon allein' gestorben".

Noch die dunkle Stimme, die
tief in ihrer Seele fragend
sie daran erinnert, wie
er sie hat betrogen,
denn ihr guter Gatte wird
bald zuhause sterben.

          zurück zum Inhalt          

Der (Rettungs-)Paraplü

(Mai 2011, frei nach „Le Parapluie“ von G. Brassens, 1952)

Ein Lied über Wege, Ziele, Besitz, Liebe, Güte, Glücksmomente und Männerfantasien. Georges möge mir verzeihen, dass ich die Szene von der Landstraße in die Stadt verlege.

Regenschirm Es goss in Strömen auf die Platten
und sie ging schirmlos auf der „Rü“ *,
sie wurde nass, ich aber hatte
'nen ausgeborgten Paraplü.

Ich flog herbei um sie zu retten
und bot beherzt mein Schirmchen an,
sie strich das Nass aus ihrem netten
Gesichtchen und sie sagte: „Gern!“.

Für ein Regenschirm-Stück
'n bisschen himmlisches Glück,
wie ein Engel sah sie für mich aus,
'n bisschen himmlisches Glück
für ein Regenschirm-Stück,
das war kein schlechter Tausch
für mich!

Regenschirm Auf unserm Weg hörten wir beide
die Regentropfen trommeln sacht,
auf meinem Schirm klang ihre Weise
so schön, wie’s nur der Himmel macht.

Ich wünschte mir still für Momente,
dass eine Sintflut niedergeht,
damit ich sie beschirmen könnte
noch vierzig Tage, früh bis spät.

Für ein Regenschirm-Stück...

's ist leider so mit allen Wegen,
sie führen irgendwann wo hin,
so stieß auch diese Straße gegen
den harten Rand der Fantasien.

Sie musste mich folglich verlassen
nach einem großen „Dankeschön!“,
ich sah sie froh in mein Vergessen
bald immer kleiner werdend, geh’n.

Für ein Regenschirm-Stück...

___________________________________
*) Die „Rüttenscheider Straße“ in Essen
oder, wer möchte, die Düsseldorfer „Kö“.



Man erlebt mit Brassens’ tiefer Poesie immer wieder Überraschungen. Unvermutet findet man neue Nuancen und aktuelle Bezüge, so auch in diesem Lied: Der REGEN als Bankenkrise, der PARAPLÜ als Rettungsschirm, die Gerettete, die wie ein Engel erscheint, im Rollentausch als Retterin ANGELA. Sparengel Angela, wild entschlossen, mit immer neuen und größeren Rettungsschirmen aus „geborgten“ und der Bevölkerung aufgebürgten Abermilliarden, den Krisen-Sintfluten trotzend, das Kapital zu retten.
Hauswand beim G8-Gipfel in Rostock 2007
„Rettet den Kapitalismus, enteignet die Proleten!“, das stand im Juni 2007 groß an einer Hauswand in Rostock während des G8-Gipfels in Heiligendamm. Heute ist der Spruch in Griechenland bittere Realität geworden. Morgen in Spanien, Italien und Frankreich und - da können wir Gift drauf nehmen - übermorgen auch bei uns. Spätestens dann nämlich, wenn die Bürgschaften ausbezahlt werden müssen! Aber es gibt Hoffnung: In Brassens’ Lied scheitert der hinterlistige „Retter“ am „harten Rand der Fantasien“ und gibt auf: Die Gerettete entkommt unbeschädigt.

          zurück zum Inhalt          

Fernande

(Juni 2008, frei nach „Fernande“ von G. Brassens, 1972)
Leuchtturm von Cassis
Leuchtturm von Cassis
Mir wurde die Manie der al-
ten Knaben zur Gewohnheit,
mir mein Alleinsein aufzuhell’n mit
Stellen aus diesem Choral:

Denke ich an Fernande *,
ist er mir im Stande,
denk’ ich an Annabel’
steht er mir schnell.
Denke ich an die Frieda,
mon Dieu, steht er schon wieder,
doch denk’ ich an Odile,
geht leider nicht mehr viel,
die Latte steht Papa
nicht auf Kommando da!

Wer kennt das Männermadrigal
nicht, den virilen Kanon,
der aus den Wärterhäuschen schallt
vom wackeren Wachpersonal:

  Denke ich an Fernande ...

Um sich die Langeweile aus
dem Alltag zu vertreiben
poliert der Leuchtturmwärter seine
Lampe und jodelt hinaus:

  Denke ich an Fernande ...

Wenn er ein wenig traurig ist
nach seiner Abendandacht,
dann zölibriert die ganze Nacht
auf Knien der Seminarist:

  Denke ich an Fernande ...

Bin ich zum Ehrenmal marschiert
die Treue zu bekunden,
hab’ unter Tränen ich den unbe-
kannten Soldaten gehört:

  Denke ich an Fernande ...

Und unseren einsamen Herr’n
möcht' ich zum Schluss anbieten,
sie sollten dies’ heilsame Liedchen
zur Nationalhymne kür’n:

  Denke ich an Fernande ...


*) Der Originaltext "Quand je pense à Fernande - je bande, je bande - quand j’pense à Félicie - je bande aussi" spielt offenbar auf das Lied "Félicie aussi" des bekannten französischen Schauspielers Fernandel aus dem Jahr 1939 an. Nur aus Jux und Alberei? Und "Quand j’pense à Léonore" ist wohl eine Anspielung auf die französischen Ehrenlegion; denn so nennt sich offiziell eine ihrer Institutionen, der "Fonds de la Légion d’ Honneur aux archives nationales". So etwas kann man leider unmöglich übersetzen!

          zurück zum Inhalt          

Carcassonne

(Juli 2011, frei nach „Carcassonne“ von Gustave Nadaud 1820-93, vertont von G. Brassens)

„Bin über sechzig, werde alt,
geschafft hab’ ich mein ganzes Leben
und hatte nie Gelegenheit,
mich den Begierden hinzugeben,
es kann hier unten auf der Welt
nicht nur um jedermanns Glück gehen,
und dass mein Wunschtraum sich erfüllt,
nur einmal Carcassonn’ zu sehen!“

[ „Man soll die Stadt im Norden sehen
können von den blauen Bergen,
man müsste sieben Meilen gehen,
um die Höhen zu besteigen,
danach den gleichen Weg zurück,
ach, wenn sie reiften, meine Trauben,
komm’ vor der Lese hier nicht weg,
kann Carcassonn’ mir nicht erlauben“! ]

„An allen Wochentagen könnte
man so wie an Feiertagen
auf ihren Plätzen Leute seh’n, die
neue weiße Kleider tragen.
Und Türme wären kaum zu zählen,
hoch wie der von Babylonne,
ein’n Bischof und zwei Generäle,
heißt es, gäb’s in Carcassonne!“

„Der Herr Vikar hat drei mal recht,
dass allzu anspruchsvoll wir wären,
er hat gepredigt, das wär' schlecht
und würde ins Verderben führen,
wenn ich noch vor dem Jahresende
dennoch ein paar Tage fände,
mein Gott, wie glücklich stürb’ ich,
wenn ich Carcassonn’ noch sehen könnte!“

„Oh Herr, oh Herr, seid mir nicht bös'
wenn mein Begehren Euch erzürnt hat,
der Mensch schaut über sich hinaus
im Alter wie schon in der Kindheit.
Mein Sohn Manuel und meine Frau *
Marie, die reisten bis Narbonne,
mein Patenkind sah Perpignan
und ich komm’ nicht nach Carcassonne!“

So sang ein Bauer bei Limoux **
mit von der Arbeit krummen Knochen,
ich sprach zu ihm: „Mein Freund, hör zu;
wir werden diese Reise machen.“
Wir brachen auf am nächsten Tag;
(ich hoff’, der Herr wird’s ihm vergeben)
er starb auf halbem Weg - nie sah
er Carcassonn’ in seinem Leben.
________________________________________
*) Nach den Angehörigen eines 60-jährigen Freundes
**) Limoux liegt knapp 20 km südlich von Carcassonne

Carcassonne
Carcassonne

Carcassonne

(von Gustave Nadaud 1820-93, gemeinfrei)

« Je me fais vieux, j’ai soixante ans
j’ai travaillé toute ma vie
sans avoir, durant tout ce temps
pu satisfaire mon envie.
Je vois bien qu’il n’est ici-bas
de bonheur complet pour personne.
Mon vœu ne s’accomplira pas:
Je n’ai jamais vu Carcassonne! »

[ « On voit la ville de là-haut
derrière les montagnes bleues;
mais, pour y parvenir, il faut
il faut faire cinq grandes lieues;
en faire autant pour revenir!
Ah! si la vendange était bonne!
le raisin ne veut pas jaunir:
Je ne verrai pas Carcassonne! » ]

« On dit qu’on y voit tous les jours
ni plus ni moins que les dimanches
des gens s’en aller sur le cours
en habits neufs, en robes blanches.
On dit qu’on y voit des châteaux
grands comme ceux de Babylone
un évèque et deux généraux!
Je ne connais pas Carcassonne! »

« Le vicaire a cent fois raison:
Cc’est des imprudents que nous sommes.
Il disait dans son oraison
que l’ambition perd les hommes.
Si je pouvais trouver pourtant
deux jours sur la fin de l’automne…
mon Dieu! Que je mourrais content
après avoir vu Carcassonne! »

« Mon Dieu! mon Dieu! Pardonnez-moi
si ma prière vous offense;
on voit toujours plus haut que soi
en vieillesse comme en enfance.
Ma femme, avec mon fils Aignan
a voyagé jusqu’à Narbonne;
mon filleul a vu Perpignan
et je n’ai pas vu Carcassonne! »

Ainsi chantait, près de Limoux
un paysan courbé par l’âge.
Je lui dis: « Ami, levez-vous;
nous allons faire le voyage. »
Nous partîmes le lendemain
mais (que le bon Dieu lui pardonne!)
il mourut à moitié chemin:
Il n’a jamais vu Carcassonne!

          zurück zum Inhalt          

Mitternacht im Regen

(Juli 2015, frei nach „La pluie fait des claquettes“ von Claude Nougaro, 1981)

Sie: Der Regen klackert auf die
Platten, mitten in der Nacht,
ich klasch' zuweilen Beifall
voll Bewund'rung, was er macht,
ich folge seinem Klapphut,
seinem vertikalen Frack
und seinem Perlmuttlächeln,
seinen Steppschuh'n - in Lack.

Sie+Er: Bi bi bi bi bip bip,
bi bi bi bi bip - la pluie [/bei Nacht]...

Er: So süß wie die Marlene,
so gerissen wie Dietrich,
verprasst sie meinen Sparstrumpf,
ob ich reich bin oder nicht.
ich nehm's auf meine Mütze
bis sie flüstert: Sie: "Willst du mein's?",
Er: und mich in einer Pfütze
küsst inversen Sonnenscheins.

Sie+Er: Bi bi bi bi bip bip,
bi bi bi bi bip - la pluie [/bei Nacht]...

Sie: Mit ihm [ \ ihr ] lass' ich mich treiben
auf den Diamantenfluss
und folg’ ihm [ \ ihr ] in die Kana-
lisationen, wenn’s sein muss,
bis an die Fensterscheiben
eines Dichters, der im Licht
der Kerze überm Schreiben
seiner Verse eingenickt.
[ \ einer Dichterin, die mit
   der Schläfe auf den Zeilen
   ihrer Verse eingenickt.
]

Sie+Er: Bi bi bi bi bip bip,
bi bi bi bi bip - la pluie [/bei Nacht]...

Sie+Er: Mit auf so feuchten Kneipen-
touren ausgeleertem Saft
verliert bei unserm Freuden-
tanz der Regen seine Kraft.
Er: Ich sag': "Es ist nun Zeit,
dass wir uns trennen, mach’ es gut!
Hallo - na, warum weinst Du?“
Sie: "Weil ich lieb' Dich, (Du) Idiot!"

Sie+Er: Bi bi bi bi bip bip,
bi bi bi bi bip - la pluie [/bei Nacht]...
          zurück zum Inhalt          

Panzerketten

(März 2013, frei nach „Les chenilles“ von Claude Nougaro)

Panzer - wird es - geben - solang' -
Menschen - leben - wird es - Panzer -

geben solang’ Menschen
leben wird es Panzer
geben solang’ Menschen leben
wird es Panzer geben
solang’ Menschen leben
wird es Panzer geben solang'
Menschen leben wird es Pan-
zer geben solang’ Menschen
leben wird es Panzer geben
solang’ Menschen leben wird es

Panzer geben solang’
Menschen leben wird es
Panzer geben solang’ Menschen
leben wird es Panzer
geben solang' Menschen
leben wird es Panzer geben
solang’ Menschen leben wird
es Panzer geben solang'
Menschen leben wird es Panzer
geben solang’ Menschen leben

wird es - Panzer - geben - solang' -
Menschen - leben - wird es - Panzer -

geben solang’ Menschen leben wird es Panzer
geben solang’ Menschen leben
wird es Panzer geben solang’ Menschen leben
wird es Panzer geben solang'
Menschen leben wird es Pan-
zer geben solang’ Menschen
leben wird es Panzer geben
solang’ Menschen leben ist es

Zeit zum - Panzer - Ketten - Sprengen:
Raupen - weichen - Schmetter - lingen!

Legt den leo an die Kette

          zurück zum Inhalt          

Des einen Freund des andern Feind

(von Leo Kowald Oktober 2015, Neudichtung auf „Les uns contre les autres“ von Michel Berger, 1978
aus der Rockoper STARMANIA, 1. Strophe und Refrain angelehnt an den Originaltext von Luc Plamondon)

Des einen Freund, des andern Feind,
man küsst sich, man streitet sich und weint,
man hält sich fest, man lässt sich los,
man schlägt sich und man stellt sich bloß,
und man fragt am Ende,
aus welchem Grunde
wir Menschen so alleine sind.

Der eine darbt, der andre prasst,
sein Vorteil - des anderen Verlust,
der eine macht die andern klein,
will vorne bei den Großen sein,
und man fragt am Ende,
aus welchem Grunde
wir Menschen so alleine sind.

Der eine kommt, der andre geht,
der eine verharrt, der andre flieht
im morschen Boot [/Dhau] aufs Meer hinaus,
in Trümmern liegt sein Lebenshaus,
und er fragt am Ende,
aus welchem Grunde
wir Menschen so alleine sind.

Der eine glaubt an seinen Gott,
ein Leben in Frieden nach dem Tod,
der andre will nur seine Ruh’
und riegelt seine Türen zu,
|: und du fragst am Ende,
   aus welchem Grunde
   wir Menschen so alleine sind :|
- so alleine sind?
Gitarre: 
||: Am6  /  H7,b5|A  E7,b5|A    Am      /    /    /
    Am6  /  H7,b5|A  E7,b5|A    Am      /
    D    /  Am6     H7,b5|A    E7      /
    Am   /  Am6     H7,b5|A    E7      /
    Am6  /  H7,b5|A  /         H7,b5|A  /    Am   / 
    H7   /  /       /          E       /    E+   /   :||  Am6!

Bass: 
||: A-----; A-----; A----e; a--e--;
    A-----; H--E--; A----c;
    d-----; c--H--; E-----;	
    A-----; c--H--; e-----;
    a-----; a-----; a-----; a-----;	
    H-----; H-----; e--d--; c--H--; :||  A!

          zurück zum Inhalt          

Mèci bon Dié

(frei nach einem Volkslied aus Haïti, dem ärmsten Land Amerikas)

|: Dank, lieber Gott,
   seht nur, was uns die Natur gegeben hat.
   Dank, lieber Gott,
   seht nur, wie unsere Not ein Ende hat. :|
Der Regen fiel, der Mais wuchs
und alle Kinderbäuche werden satt.
Kommt, tanzen wir Congo,
kommt, tanzen wir Mambo,
der liebe Gott im Himmel sagt,
dass uns’re Not vorbei
|: ist, unsere Not vorbei :| !
Kreolisch:
Mèci bon Dié,
gadé tout çà, la natü poté pou nou.
Mèci bon Dié,
gadé couman la mizè fini pou nou!
La pli tombé, maï poussé,
tout ti moun qui grand gout prâlé mangé,
A nou dansé congo,
a nou dansé mambo,
Papa bon Dié dit nan ciel
la mizè fini pou nou.
          zurück zum Inhalt          

Mit untertänigstem Verlaub

(von Leo Kowald Okt. 2008, Neudichtung, auf „Sauf le respect, que je vous dois“ von G. Brassens, 1972)

Wenn euch so viel daran liegt,
dann redet halt von Politicke,
obwohl das Thema macht mich
schon ein wenig melancholicke,
schwätzt die ganze Woche davon,
das macht mir nichts aus,
doch redet ihr mir vom Frieden,
kriecht mir die Angst in den Nacken,
mit untertänigstem Verlaub!

Ihr setzt mit eurer Agenda
die ganz großen Themen,
da bleibt kein Platz für kleine
Leute mit ihren Problemen,
ihr bestellt die Talkmaster
und die fragen euch aus,
doch redet ihr dann vom Frieden...

[ Ihr rettet die Welt vor dramatischen
  Katastrophengewalten,
  wie Lemminge drängeln die Lämmer
  um sich in der Menge zu halten,
  schwätzt nur übers Wetter,
  da kennt sich jeder prächtig aus,
  doch redet ihr mir vom Frieden... ]

Ihr habt die Armen vertröstet
und für die Reichen gehandelt,
ihr habt für sie die Wirtschaft
in ein Kasino verwandelt
zum Nutz’ und Fromm’ der
Nachhaltigkeit, ich hätt’s fast geglaubt,
doch redet ihr mir vom Frieden...

Ihr schickt Soldaten und Waffen
in die entlegensten Weiten,
die haben da nichts zu schaffen
außer gefährlich zu streiten,
gebt’s doch endlich zu, 's geht nur
um Zaster, Macht und Raub,
doch ihr redet nur vom Frieden, da
kriecht mir die Angst in den Nacken...

Solange es euch gefällt,
die eigenen Reden zu hören,
stellt bitte das Mikro leise
um nicht meine Träume zu stören,
als stinknormaler Bürger will ich
im Grund’ nur meine Ruh’,
doch redet ihr mir vom Frieden,
mach’ ich mir ernsthafte Sorgen,
krieg’ in der Nacht kein Auge zu...

Sie reden vom Frieden und führen Krieg!

          zurück zum Inhalt          

Glückliche Liebe gibt es nicht

(Aug.2007, frei nach „Il n’y a pas d’amour heureux“ von Louis Aragon, 1943, Musik G.Brassens)

Nichts ist dem Menschen wirklich sicher, nicht sein Herz,
nicht seine Schwäche, noch die Kraft, und wenn er glaubt,
er öffne seine Arme, ist sein Schattenwurf ein Kreuz
und wenn er glaubt, sein Glück ganz fest zu halten, brichts,
sein Leben - eine Scheidung, entfremdet und voll Schmerz:

Glückliche Liebe gibt es nicht

Sein Leben gleicht Soldaten ohne Munition,
die ausgerüstet sind für eine andere Mission,
was soll es ihnen nützen, am Morgen aufzusteh'n,
die wir am Abend schutz- und hilflos liegen seh’n,
die Worte sag: Mein Leben, und halt’ die Tränen an:

Glückliche Liebe gibt es nicht

Du schöne teure Liebe, du, die mich zerriss,
wie ein verletzter Vogel flatterst du in mir
und jene schauen ahnungslos, wie wir vorüber geh’n,
sie sprechen noch die Worte nach, die ich erschuf
und nur für deine großen Augen sterben ließ:

Glückliche Liebe gibt es nicht

Um noch zu lernen, wie man lebt, braucht es zu lang,
so weinen unsre Herzen gemeinsam in der Nacht,
braucht es so viel Reue für ein Frösteln auf der Haut,
braucht es so viel Leid - nur für ein Gedicht
und braucht es so viel Schluchzen für der Gitarre Klang:

Glückliche Liebe gibt es nicht


[ Die Liebe gibt es nicht, die einen nicht zerreißt,
  es gibt die Liebe nicht, die einen nicht zerfranst,
  es gibt auch keine Liebe, die nie verletzen kann
  und stärker ist als die von Dir zu Deinem Land
  und keine, die sich nicht aus unsern Tränen speist:

  Glückliche Liebe gibt es nicht
  doch ist es die für dich und mich! ]

          zurück zum Inhalt          

Das rote Plakat

Das rote Plakat

(Nov. 2009, frei nach „L’affiche rouge“ von Louis Aragon, 1944)

Ihr habt weder Ruhm erwartet noch Tränen,
kein Sterbegebet, keinen Klagegesang.
Das ging schon elf Jahr’ so! Um’s schnell zu been-
den, musstet Ihr schlicht Euch der Waffen bedienen,
Deine Augen, sie leuchten noch im Tod, Partisan.

Eure Porträts an den Mauern vor unseren Türen,
bedrohlich, mit nachtschwarzem, struppigem Bart,
tief rot ihr Plakat wie ein Flecken aus Blut.
Eure Namen war’n schwierig zu buchstabieren,
so schürte es bei den Passanten die Furcht.

Nichts ließ Euch als echte Franzosen erscheinen
und bei Tag hatte niemand ein Auge für Euch,
doch schrieben in Sperrstunden Hände rasch auf
Eure Fotos: GESTORBEN FÜR FRANKREICH
und der trostlose Morgen war nicht mehr so grau.

Der Februar trägt uniform raureife Farben
für Euern allerletzten Moment,
als dann einer von Euch ruhig sagt:
Glück für alle, Glück denen, die überleben,
ich sterbe ohne Hass in mir fürs deutsche Volk.

Adieu ihr Schmerzen und Freuden, lebt wohl ihr Rosen,
adieu mein Leben, lebt wohl, Wind und Licht,
Du, heirate wieder, sei glücklich und denk an mich,
die Du bleibst in der Schönheit der Dinge in Eriwan,
später, wenn all’ das hier vorüber ist.

Ein Wintersonnenschein strahlt auf den Hügel
und die schöne Natur und bricht mir das Herz,
Gerechtigkeit folgt unsern Spuren im Triumph,
meine liebe Mélinée, meine kleine geliebte Waise,
ich bitte Dich: Lebe! Und bekomme ein Kind.

Sie war’n zwanzig und drei,
  als die Gewehre feuerten
zwanzig und drei
  die ihr Herz gaben, so jung
zwanzig und drei
  Ausländer, und uns’re Brüder gleichwohl
zwanzig und drei
  die das Leben liebten und dafür starben
zwanzig und drei
  die - im Fallen - FRANKREICH schrie’n!

Exekution
In den Jahren 1942/43 setzte eine besondere Widerstandsgruppe dem deutschen Besatzungsregime in Paris heftig zu. Die Muttersprache ihrer Mitglieder war nicht Französisch, jeder Zweiten unter ihnen sprach Jiddisch. Geboren waren sie nicht in Frankreich, sondern in Polen, Rumänien, Ungarn und Armenien. Sie arbeiteten als Schneider oder Kürschner in Heimarbeit für die Bekleidungsindustrie. Sie bezeichneten die internationale antifaschistische Bewegung als ihre Familie. Sie verschafften sich Waffen und lernten damit umzugehen. Sie bastelten in ihren Küchen Bomben und platzierten sie an Passierstellen deutscher Militärkonvois. Sie brachten Militärzüge zum Entgleisen und töteten ranghohe Nazis. Sie nannten ihre Widerstandsgruppe MOI, Main d’oeuvre Ouvrière Immigrée, auf Deutsch etwa "Gastarbeiter". Zwischen März 1942 und November 1943 werden 92 Hotels mit Deutschen durch Bombenattentate angegriffen, 33 Hotels durch Granaten, 15 Büros für die Rekrutierung von Freiwilligen werden angezündet, 125 Lastwägen der Wehrmacht und der SS werden zerstört. Im August 1943 organisiert die MOI ein Attentat auf den General von Schaumburg, den Militärkommandanten von Paris, und im September 1943 wird der SS-General Julius Ritter, verantwortlich für die Deportation junger Franzosen in deutsche Zwangsarbeitslager exekutiert. Im Herbst 1943 wird der politisch Verantwortliche der MOI, der Kommunist und gebürtige armenische Türke Missak Manouchian und fast seine ganze Gruppe von der französischen Polizei festgenommen, an die deutsche Armee ausgeliefert und im Februar 1944 zum Tode verurteilt und exekutiert. Gleichzeitig veteilten die Nazis in einer Auflage von 150.000 das "rote Plakat". Als Hommage an die MOI-Widerstandsgruppe wurde der Text von Louis Aragon "L’Affiche Rouge" in der Vertonung von Léo Ferré eines der berühmtesten Chansons Frankreichs.
(Quelle: www.soldatentreff.de)

          zurück zum Inhalt          

Die Unsichtbaren

(Leo Kowald Dez.2007, Neudichtung, passt auf die Melodie von „Les Passantes“ von G. Brassens)

Artikel 4 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“:
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden;
Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten!


Wir singen euch von unscheinbaren
fremden Frauen in mittleren Jahren,
mit Kopftuch und tiefschwarzem Haar,
die mit immer recht freundlichen Mienen
feinen Herren und Herrinnen dienen,
so wie das auch früher schon war.

Nach Europa um Geld zu verdienen,
um der drückenden Not zu entrinnen,
hab' ich mir[hat sie sich] ein Ticket gekauft,
in ein Land, wo mich[sie] keiner erwartet,
von La Paz oder Bombay gestartet,
ob Muslimin oder getauft

Von den Kindern zu Haus’ fortgerissen,
werden die mich[sie] bald kaum noch vermissen
trotz Briefen und telefonier’n.
Und nun muss ich mich[sie sich] dafür benutzen
lassen nicht nur zum Pflegen und Putzen
und wag'[t] nicht einmal mich[sich] zu wehr’n.

Wegen fehlender Ausweispapiere
in der Wohnung gehalten wie Tiere,,
versteckt, illegal, unsichtbar.
Und wenn ich[sie] mal nicht mehr wie ein Besen
zu gebrauchen bin[ist], prompt ausgewiesen
und das nach dem dreizehnten Jahr!

Die Herrschaften, die mich[sie] besessen
haben, werden mich[sie] bald schon vergessen,
als hätte ich[sie] nie existiert.
Und kaum über die Grenze in Stunden
bin ich[ist sie] aus dem Bewusstsein verschwunden,
wohin auch das Schicksal mich[sie] führt.

Die Unsichtbaren / Les Invisibles Wir sangen euch von wunderbaren
starken Frauen, von den Unsichtbaren,
die nie in den Schlagzeilen steh’n,
die zwischendurch, in Augenblicken,
ihre Tränen im Winkel verstecken,
wenn sich die Gedanken verlier’n...


Quellen:
Bridget Anderson, (2006) Doing The Dirty Work?
Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit in Europa
übersetzt von G. Deckert, Verlag Assoziation A, Berlin/Hamb.

Maria S. Rerrich, (2006) Die ganze Welt zu Hause
Hamburger Edition 2006. ISBN 978-3-936096-67-5,

Les Invisibles

(Adaptation de "Die Unsichtbaren" (s.o.) par Leobald Loewe et Maryse Pantanacce, 2012)

Nous vous chantons les femmes étrangères
effacées, plutôt entre deux âges,
les cheveux sous un foulard en soie,
celles qui servent des riches et des nobles,
avec toujours un sourire aimable,
comme ça se faisait autrefois.

Pour gagner de l'argent espérant de
échapper à la misère pesante,
je m'suis[elle s'est] achetée un billet,
pour l'Europe, où ne m[l]'attend personne,
arivée à Vienne ou Barcelone,
partie de La Paz ou Delhi.

Arrachée à mes[ses] enfants, leur mère
ne leur manquera bientôt plus guère,
malgré mes[ses] lettr' et mes[ses] appels,
en laissant en échange faire usage
de moi[d'elle] pour plus que faire le ménage
et jamais sans qu'je me[qu'elle se] rebelle.

Sans visa de travail authentique,
détenue comme un chien domestique,
illégale, invisible, cachée,
devenue usagée, inutile,
puis jetée comme un vieil ustensile,
même après si nombreuses années.

Et ces nobles seigneurs-propriétaires,
m[l]'oublieront au plus tôt et vont faire
mine qu'je n'ai[elle n'ait] jamais existée
et dès lors qu'je[elle] passerai[t] la frontière
j'aurai[elle a] disparue de leur mémoire,
quoi que ce soit ma[sa] destinée.

Nous vous chantions les merveilleuses
femmes fortes, les femmes invisibles,
celles, qui ne font jamais la Une,
qui pendant quelques instants pénibles
cachent leurs larmes sous son sourire aimable,
quand elles, par hasard, se souviennent.

          zurück zum Inhalt          

Was ist das nur für ein Leben!?

(April 2008, frei nach „La vida no vale nada“ von Pablo Milanés, Cuba 1975. Dieser hat darin wiederum Anleihen gemacht bei „Camino de Guanajuato“ von José A. Jiménez, Mexico)
Victor Jara, dargestellt auf einem
Wandbild eines Restaurants in Nîmes
Aus einem Wandbild eines Restaurants in Nimes
Was ist das nur für ein Leben,
wenn wir es nicht dafür geben,
dass auch Andere etwas haben
von dem was wir für uns erstreben?

Was ist das nur für ein Leben,
wenn die Hilferufe wir hören
und im Schlafe sie uns stören,
aber sie uns nicht mehr bewegen?

Was ist das nur für ein Leben,
wenn Menschen Menschen umbringen
und ich höre nicht auf zu singen
so als würde man nichts drum geben?

Was ist das nur für ein Leben,
wenn ich Sterbende schreien höre
und mein Herz ist zu taub und leer
um ihren Schrecken noch wahrzunehmen?

|: Was ist das nur für ein Leben,
wenn wir seh’n, wie unsere Welt
eingeschränkt ist auf unser Geld
und auf das, was wir dafür kriegen?

Was ist das nur für ein Leben,
wenn Millionen im Elend enden,
nur weil wir bei uns nichts verändern
und betäubt im Spinnennetz kleben?

Was ist das nur für ein Leben,
wenn das Leben nicht mehr wert ist
als der Preis für einen Liter Benzin?
...

Was ist das nur für ein Leben,
wenn die Augenblicke ich nicht
mehr genießen kann und ich schließlich
im Bett mich dem Tod muss ergeben?

Was ist das nur für ein Leben,
wenn ich sage, ich könne nichts machen,
weil ich gebunden bin durch die Sachen
die mir gehören und mich umgeben?

Ist das Leben denn nichts wert? :|

Was ist das nur für ein Leben!?

          zurück zum Inhalt          

Der kleine verlorene Ball

A.Renoir: Bal au Moulin de la Galette (Ausschnitt) (August 2009, frei nach „Le p’tit bal perdu“ von Robert Nyel, Musik: Gaby Verlor, bekannt durch eine Interpretation von Bourvil)

Der Krieg war eben erst vorbei,
als auf zertretenem Parkett
bei einem kleinen Ball im Frei-
en fanden zwei sich zur Musette,
sie tanzten zwischen Trümmern doch
auf diesem Ball |: wie hieß er noch. :|4x

Nein, mir fällt der Ort des klein-
en Balles nicht mehr ein,
doch seh’ ich noch das Bild
vor mir, wie dieses Paar
um sich herum die Welt
nicht mehr sah,
mit einer Leichtigkeit in
ihren Gesten all -
was mag er noch bedeuten
der Name für den Ball?
Nein, mir fällt der Ort des klein-
en Balles nicht mehr ein,
doch seh’ ich noch wie heute,
wie die zwei sich lange
in die Augen sahn,
und das war gut, und das war gut.

Sie tranken aus dem selben Glas
und gaben sich beim roten Wein
das heilige Versprechen, dass
sie immer, immer glücklich sei’n,
sie lachten zwischen Trümmern doch
auf diesem Ball, |: wie hieß er noch :|4x

  Nein, mir fällt der Ort...

Als das Akkordeon-Duett
verstummte, gingen beide fort,
der Abend fiel auf das Parkett
und auf die Trümmer in dem Ort,
es war so traurig wie zuvor
auf diesem Ball, |: wie hieß er noch :|4x

Nein, mir fällt der Ort des klein-
en Balles nicht mehr ein,
doch seh’ ich noch das Bild
vor mir, wie dieses Paar
um sich herum die Welt
nicht mehr sah.
Mit ihnen auf der Bühne
da gab es so viel Licht,
den Namen für die schöne
Geschichte weiß ich nicht!
Nein, mir fällt der Ort des klein-
en Balles nicht mehr ein,
doch hatte mir es Mut
gemacht, wie sie sich lange
in die Augen sahn
und das war gut, und das war gut!

          zurück zum Inhalt          

Im Ruhrgebiet

(Dez. 2012, aus der Sicht einer französischen Immigrantin,
frei nach „Göttingen“ von Barbara, 1964)

Gewiss - hier gibt’s keine Seine
und auch den Wald nicht von Vincennes,
doch bin ich gerne hier geblieben,
im Ruhrgebiet, im Ruhrgebiet.

Auch hier sind Uferpromenaden,
die zum Spazierengehen laden,
manch’ Liebeslied wurd’ hier geschrieben,
im Ruhrgebiet, im Ruhrgebiet.

Sie kennen, glaub' ich, Frankreichs Schlösser
und unsere Geschichte besser
als wir, die Helga, Fritz und Peter
im Ruhrgebiet.

Sie machten hier auch ohne Klage
die schwere Arbeit unter Tage
und verloren sie doch später
im Ruhrgebiet.


Die Emscher ist nicht wie die Seine,
der Nordsternpark nicht von Vincennes,
doch Himmel, sah ich schöne Rosen
im Ruhrgebiet, im Ruhrgebiet.

Die Traurigkeit im fahlen Scheine
des Morgennebels bei Verlaine,
die legt sich sanft auch über Wiesen
im Ruhrgebiet, im Ruhrgebiet.

Sein Lächeln will uns viel erzählen,
wozu ihm noch die Worte fehlen,
so kann es unser Herz erreichen,
das Schmuddelkind im Ruhrgebiet...

Die kleine Frage ist wahrscheinlich
dem ein’ und andern eher peinlich,
doch sind die Kinder nicht die gleichen
in Paris, wie im Ruhrgebiet?


Oh, lasst die Zeit nie wiederkehren,
dass Gier und Hass die Welt zerstören,
es leben Menschen, die ich liebe,
im Ruhrgebiet, im Ruhrgebiet.

Doch heulten wieder die Sirenen,
mein Herz versänke tief in Tränen,
wer weiß, was danach übrig bliebe
vom Ruhrgebiet, vom Ruhrgebiet!

          zurück zum Inhalt          

Verehrter Präsident

(2003, frei nach „Le deserteur“ von Boris Vian, 1954)
Denkmal für den unbekannten Deserteur in Hannover
Denkmal für den unbekannten Deserteur in Hannover
Verehrter Präsident,
vielleicht seid Ihr in Eile,
doch leset diese Zeile,
mit der mein Brief beginnt

Mir werden da gebracht
die Militärpapiere,
dass in den Krieg marschiere
ich noch vor Mittwoch Nacht.

Herr Präsident, ich bin
gewiss nicht Mensch geworden,
um Menschen zu ermorden,
das macht doch keinen Sinn.

Will Euch nicht provozie-
ren, wenn ich offen sage:
Der Krieg kommt nicht in Frage,
ich werde desertier’n!


All’ meine Brüder sind
gerannt in ihr Verderben,
ich sah den Vater sterben,
es weinte auch mein Kind.

Meine Mutter trug so schwer,
sie ist mit ihren Sorgen
im Krieg verrückt geworden,
nun leidet sie nicht mehr.

Als ich gefangen war
sind sie ins Haus gekommen
und haben mir genommen,
die meine Liebe war.

Früh, wenn die Hähne kräh’n
will ich mein Bündel schnüren,
ein neues Leben führen
und auf die Straße geh’n.


Dann zieh’ ich ohne Ruh’
vom Norden in den Osten,
vom Süden in den Westen
und schrei’ den Leuten zu:

" Verweigert den Befehl,
  kämpft nicht in ihren Kriegen,
  glaubt niemals ihren Lügen,
  der Frieden wär’ ihr Ziel! "

Ihr schwört im Parlament,
man müsse Blut vergießen,
so lasset Eures fließen,
verehrter Präsident!

Jagt Ihr die Polizei
mir nach, so lasst sie grüßen,
sie könne auf mich schießen,
weil ich gefährlich sei!


Die in Deutschland bekannteste und in der Friedensbewegung gern gesungene Nachdichtung „Ihr sogenannten Herrn...“ von Gerd Semmer aus den 70-ern (https://www.youtube.com/watch?v=A62-JU3tIwQ) basiert auf der von Marcel Mouloudji gesungenen Version „Messieurs qu’on nomme grand...“ von 1954. Meine Nachdichtung basiert auf der in Frankreich bekannteren und von Boris Vian 1955 selbst gesungenen Originalfassung "Monsieur le Président...".

Mouloudji hatte von seinem Freund Vian Änderungen am Text erbeten, um - erfolglos - der französischen Rundfunkzensur zu entgehen. Deswegen fehlt in seiner Version die direkte Ansprache des Präsidenten und auch die direkte Aufforderung zu den "Straftaten" Befehlsverweigerung und Desertieren/Fahnenflucht, wobei die bescheidene und höfliche Form um einen provokanteren Unterton ergänzt wurde. Gerd Semmer hat lediglich die Zeile "ich werde desertier'n" Vians eigener Version entnommen.

Beide Lied-Versionen haben übrigens die gleiche Endstrophe: "Si vous me poursuivez, prévenez vos gendarmes que je n'aurai pas d'armes et qu'ils pourront tirer - (wörtlich:) Wenn Ihr mich verfolgt, dann warnt Eure Polizisten, dass ich keine Waffe habe und dass sie schießen können“. Eine frühe unveröffentlichte Gedicht-Version soll noch das sarkastische Ende: "que je possède une arme et que je sais tirer - dass ich eine Waffe habe und dass ich zu schießen weiß" (siehe www.lefigaro.fr) gehabt haben, was aber nicht belegt ist, und was auch nicht so recht zum Tenor des vorausgegangenen Textes passen will. Boris Vian soll erst auf Anraten Moloudjis dessen Version übernommen haben, um böswilligen Fehlinterpretationen vorzubeugen. (Siehe auch www.antiwarsongs.org/canzone.php?lang=de&id=1#agg68.)

Diese "alte" Version hatte dem Schauspieler Jean-Louis Trintignan aber wohl so gut gefallen, dass er sie 2011 (als Erster) als Gedicht öffentlich vortrug und auf CD brannte. Ob er damit dem Autor gerecht wurde, ist stark zu bezweifeln, hatte dieser doch zeitlebens an seiner veröffentlichten "neuen" Version festgehalten. Im Gegensatz zu manchen Interpretationen, die dem Lied damit eine klammheimliche Gewaltliebe andichten wollen [ z.B. per angeblicher "Übersetzung" (!!!) (der fast unbekannten, aber ersten deutschen, und in Wahrheit sehr freien und sinnentstellenden Nachdichtung des deutsch-amerikanischen Kabarett- und Schlagertexters Max Kolpenitzky alias Colpet alias Kolpe, 1905 - 1998, "Sag mir, wo die Blumen sind", "Heimweh nach St. Pauli") im Schulbuch MusiX-3 vom Helbling-Verlag, die fälschlicherweise im Lehrerband auch noch (versehentlich?) mir-selbst "Leo Kowald" als Autor untergeschoben wurde! ] ist der „alte“ Text aber nie als Lied erschienen!

Ich habe ein Ende gewählt, das sich an den "neuen" Text hält, aber den "alten" Sarkasmus durchscheinen lässt, um nicht übertrieben pazifistisch zu klingen. Auch Wolf Biermann hat einmal eine großmäulig-antiautoritäre und mit Fäkalausdrücken übersäte Übertragung der Vian-Fassung abgeliefert, die dem höflich-bestimmten Ton des Originals überhaupt nicht entspricht. Aber auch er verwendet die korrekte Endstrophe.

Nebenbei: Wenn man den korrekten Wortlaut eines Werkes wissen will, dann muss man den Autor fragen! Und wenn der bereits verstorben ist (1959), dann sollte man seinen Letzten Willen respektieren (die kapitalistischen Verwerter und gierigen Erben können dabei gerne bleiben, wo der Pfeffer wächst)! Es ist unanständig und unvereinbar mit dem Urheber-Namensrecht, gegen den erkennbaren Willen des Autors überholte Versionen seines Werkes zu verbreiten (Verletzung der Werksintegrität).

          zurück zum Inhalt          

Wenn Zeit vergeht

(2005, frei nach „As time goes by“ von Herman Hupfeld, 1931 aus dem Film „Casablanca“)
Berühmte Szene aus „Casablanca“ (verfremdet)
Berühmte Szene aus 'Casablanca'
Vergesst das bitte nicht
ein Kuss im Abendlicht,
die Augenblicke, seht,
das Einfache im Leben zählt
wenn Zeit vergeht

Verliebte sagen sich
noch stets: „Ich liebe dich“
solang’ die Welt sich dreht,
was immer auch die Zukunft bringt
wenn Zeit vergeht

Lieder im Mondschein
glühen alle Zeit,
Herzen voll Hass
voll Leidenschaft und Neid,
sie braucht den Mann
und er Geborgenheit,
wer’s leugnet, nichts versteht.

Es geht seit alters her
der Kampf um Lieb’ und Ehr’,
um Leben oder Tod,
Verliebte braucht die Welt solang’
die Zeit vergeht.

Au temps passant

(Adaptation libre après „As time goes by“ avec l’aide de Maryse Pantanacce, 2012)

Il faut que vous sachiez:
Un regard, un baiser,
un sourire engageant,
les choses fondamentales s’imposent
au temps passant.

Lorsque deux amoureux
se disent "je t’aime", on peut
toujours faire un pari,
qu’importe ce que sera la vie
au temps passant.

Les clairs de lune
jamais démodés,
coeurs pleins de haine
de passion, d’envie,
les femmes, les hommes
ont encore besoin d’eux,
personne ne peut le nier.

C’est le combat toujours
pour la gloire et l’amour,
survivre ou mourir,
le monde aura besoin d’amants
au temps passant.

          zurück zum Inhalt          

Wie gestern

(Juni 2013, frei nach „Comme hier“ von Paul Fort
 1872-1960, vertont von G.Brassens Okt.1953)

Erdbeerfarben leuchtet die Morgenröte,
gib mir Deinen Mund, himmelbeerensüß.
Schweine hüt' ich, Du, hüte Deine Puten,
stups nicht meine Ferkel mit dem Fuß.

Sei so wie gestern, wie gestern sei Du!
Auch wenn Du mich nicht liebst, bin's ich, der Dich liebt.
Einer hält das Messer, der andere den Löffel,
Leben, das ist immer das gleiche Lied.

Trag' auf meinen Armen Dich alle Tage
über Stock und Stein übern wilden Fluss,
unser Vieh kann leicht unsern Schritten folgen,
stups nicht meine Ferkel mit dem Fuß.

Sei so wie gestern, wie gestern sei Du!
Auch wenn Du mich nicht liebst, bin's ich, der Dich liebt.
Leben, das ist Liebe, Leben, das ist Not,
Leben, das ist immer das gleiche Lied.

Ich hab' so viel Achtung vor Deinem Herzen
und vor Deinen Puten, wenn ich Dich küss',
aber auch im Streit - he, Du süße Beere,
stups nicht meine Ferkel mit dem Fuß.

Sei so wie gestern, wie gestern sei Du!
Auch wenn Du mich nicht liebst, bin's ich, der Dich liebt.
Einer hält das Messer, der andere den Löffel,
Leben, das ist immer das selbe Lied.

Gitarrenbegleitung:

E7(A)  E  E7   A	
A    E7   E    A	
A7   G    F#7  Hm
A    E7   A    A

D    A    D    A
D    A    H7   E
D    D    D    F#7
F#7  Hm7  E7   A

Hierzu gibt es eine schöne Geschichte über den lockeren Umgang von Brassens und auch von Paul Fort mit Verwertungsrechten: "Der Erfolg des Liedes ('Le petit cheval') in der Öffentlichkeit war so groß, das es Paul Fort zu Ohren kam, den Brassens überhaupt nicht um seine Genehmigung gebeten hatte. Der Dichter machte daraus aber keine Affäre. Er sagte, er sei froh, dass sein Gedicht solch eine Verbreitung gefunden habe. Zur Verteidigung gab der Sänger treuherzig zu, dass ihm speziell die Poesie Paul Forts sehr gefiel. Darüber hinaus verwendete er auch andere Gedichte, wie 'Comme hier' oder 'Si le Bon Dieu l'avait voulu'." Le succès de la chanson ('Le petit cheval') était tel auprès du public qu’il arriva à l’oreille de Paul Fort, à qui Brassens n’avait sollicité aucune autorisation. Le poète ne s’en était pas formalisé. Il se disait simplement content que son poème ait reçu un pareil accueil. Pour se défendre, le chanteur avouait, avec une certaine candeur, que la poésie de Paul Fort lui parlait, à lui tout spécialement. Aussi reprenait-il d’autres poèmes, tels que 'Comme hier' ou 'Si le Bon Dieu l’avait voulu'. (http://www.lacauselitteraire.fr/paul-fort-a-la-faveur-de-brassens).

          zurück zum Inhalt          

Herbstlaub

(Juli 2013, frei nach „Les feuilles mortes
von Jaques Prévert, 1900-1977)

Oh, wie ich wollte, dass Du Dich erinnerst
an uns're glücklichen Tage zu zweit,
in jener Zeit war das Leben viel schöner,
strahlte die Sonne viel heller als heut’.

Herbstliches Laub liegt zuhauf auf der Schaufel,
Du siehst, ich vergesse es nicht,
Herbstliches Laub liegt zuhauf auf der Schaufel,
was auch gewesen ist, gut oder schlecht.

Da kommt der Wind aus dem Norden
und weht es fort in die Nacht,
Du siehst, ich vergesse es nicht,
dieses Lied, Deinen zarten Gesang.

    Das ist ein Lied, das uns entspricht,
    Du liebtest mich, ich liebte Dich,
    Wir lebten ein Leben zu zwei'n,
    ich liebte Dich, Du liebtest mich.

    Doch das Leben trennt, die sich lieben,
    ohne Geräusch, mit sanfter Hand
    und das Meer kommt und löscht alle Spuren
    geschiedener Paare im Sand.

[ Herbstliches Laub liegt zuhauf auf der Schaufel,
  was auch gewesen ist, gut oder schlecht,
  doch meine Liebe denkt ohne Bedauern
  lächelnd und dankbar ans Leben zurück.

  Ich wollt' Dich so, für mich warst Du die schönste,
  wie kannst Du wünschen, dass ich Dich vergess'?
  In jener Zeit war das Leben viel schöner,
  strahlte die Sonne viel heller als jetzt.

  Du, meine süßeste Freundin
  Dich zu verlier'n, traf mich schwer,
  und dies' Lied, Dein vertrauter Gesang
  klingt für immer in meinem Gehör.

    Das ist ein Lied... ]
          zurück zum Inhalt          

Youkali

"Naive" Malerei aus
Solentiname, Nicaragua 2006 (Ausschnitt)
Naive Malerei aus Solentiname, Nicaragua
Roger Fernay schrieb 1935 diesen Text auf den schon 1934 im Pariser Exil von Kurt Weill als Auftragsarbeit für das Stück 'Marie Galante' von Jacques Deval komponierten "Tango Habanera", im Stil eines rumänischen Tangos. Diese deutsche Nachdichtung (Nov. 2012) von Leo Kowald ist auch in "Also schwieg Zarathustra" von Nicolas Wild im Egmont-Verlag (ISBN 3770455150) erschienen.

Es trieb im weiten Runde
mein Boot im Meer der Winde
mich bis ans Weltenende
wo’s nirgends weiter geht,
da eines Tages fand ich
die kleine Insel endlich,
wo eine Fee uns freundlich
zu ferner Reise lädt:

Youkali, wo unser Land
  der Sehnsucht liegt,
Youkali, wo nie der Quell
  des Glücks versiegt,
Youkali, ist da, wo alle unsre
  Sorgen vergeh’n,
ist, wenn in der Nacht
  ein Licht Hoffnung macht,
der leuchtende Stern
  ist Youkali!

Youkali, wo man geachtet wird,
  geborgen sich fühlt,
Youkali, das ist das Land,
  wo echte Liebe nur zählt,
ist Hoffnung, die
in den Herzen aller Menschen wohnt,
Befreiung, die
wir für morgen uns erwarten schon,
Youkali, wo unser Land
  der Sehnsucht liegt,
Youkali, wo nie der Quell
  des Glücks versiegt,

doch nur im Traum aus Phantasie,
  's gibt überhaupt kein Youkali,
doch nur im Traum aus Phantasie,
  's gibt überhaupt kein Youkali!

Das Leben reißt uns mit sich,
das Los ist unerbittlich,
die arme Seele sehnt sich
den Nöten zu entflieh’n,
um einen Weg zu finden,
der Welt sich zu entwinden,
da braucht sie kleine Inseln
wie jenes Youkali:

Youkali, wo unser Land
  der Sehnsucht liegt,
Youkali, wo nie der Quell
  des Glücks versiegt,
Youkali, ist da, wo alle unsre
  Sorgen vergeh’n,
ist, wenn in der Nacht
  ein Licht Hoffnung macht,
der leuchtende Stern
  ist Youkali!

doch nur im Traum, aus [ / als ] Phantasie,
  's gibt überhaupt kein Youkali,
doch nur im Traum, aus [ / als ] Phantasie,
  's gibt überhaupt kein Youkali!

          zurück zum Inhalt          

Posthumer Brief eines Vaters an G. B.

(Ungereimte Dezime von Leo Kowald, Nov. 2009)

Du hättest vom Alter her mein Vater sein können.
Du warst nicht mal sechs Wochen jünger als Er,
und während Er, der Sohn eines Polen, in sein
Vater-Land einbrach, da standest Du wegen
der Streiche Deiner Copains in Sète vor Gericht.
Und als Er mit Gelbsucht in Frankreich lag,
da zwangen sie Dich nach Basdorf zur Arbeit bei BMW,
Flugzeugmotoren bauen für "unseren" Endsieg.
Sie hatten Dir Ausweis und Rationen genommen,
also bist Du, noch jung, nach Deutschland gefahren.

Ich weiß nicht, ob jemand versuchte, Dich abzuhalten.
Dein Vater, er hatte doch sicher Kontakte zu
Kameraden der Resistance gehabt und gewusst,
dass Menschen wie er hier massenweise und
systematisch gefoltert, gebrochen und arbeitsvernichtet
wurden. Im KZ Oranienburg-Sachsenhausen,
dreizehn Kilometer nord-westlich von Basdorf,
war neun Jahre zuvor Dein Kollege Erich Mühsam,
wie Du Anarchist und wie Dein Vater Kommunist,
am beißenden Hass der Faschisten gestorben.

Basdorf, Berliner Arbeitervorstadt, Gemeinde
Wandlitz, genau da, wo später so genannte
Genossen an "vergoldeten" Wasserhähnen
die Chance auf ein "Nie wieder" verspielten.
Dafür drohen heute schon wieder dumm-dreiste
Nazi-Plakate zu oberst vom Lampenmast:
"Vaterland, Muttersprache, Kinderglück",
so höhnen sie das von der Stange herunter,
was sie Deiner Generation gestohlen haben,
und Deinem Vater, und meinem Vater, und Dir.

Als nachkriegsdeutschem Wirtschaftswunderkind
steht’s mir nicht zu, Dich in Frage zu stellen.
Ich suche selbst noch nach Wegen, mein Leben zu meistern,
und die sind so unübersichtlich und krumm.
Nein, ich hätte nicht Einundzwanzig
geboren sein wollen, dann hätte ich womöglich
die gleichen Fehler gemacht wie mein Vater,
der natürlich nichts wissen wollte von den Ratschlägen
seines, so wie Du Deines und ich meines, Vaters.
Und was macht eigentlich gerade mein Sohn?

          zurück zum Inhalt          

Georges Brassens

Georges Brassens, Foto: Wikipedia
Georges Brassens, Foto: Wikipedia
wurde am 22. Oktober 1921 in dem südfranzösischen Fischereihafen und Badeort Sète am Mittelmeer geboren. Der Vater Jean Louis Brassens war ein kommunistischer Maurer und Kleinunternehmer und seine Mutter Elvira Dagrosa eine fromm-katholische Italienerin. Er atmete seit seiner Kindheit Musik: Bei jeder Gelegenheit wurde gesungen; seine Mutter liebte lyrische Musik und Volkslieder, vor allem die Melodien ihrer neapolitanischen Heimat, die sie auf der Mandoline begleitete. Auf diesem Instrument lernte der kleine Georges auch die Grundlagen des Gitarrespiels. Er hatte ein gutes Musikverständnis und nahm interessiert am Musikunterricht teil. Mit 14 Jahren fing er an, eigene Lieder zu schreiben. Als er mit 18 wegen einer Diebstahlsserie seiner Clique, an der er selbst nicht direkt beteiligt gewesen sein soll (er erhielt gleichwohl eine Bewährungsstrafe), das „Collège Paul-Valéry“ verlassen musste, zog er im Februar 1940 nach Paris, wo er bei seiner Tante Antoinette Dagrosa wohnte und bis zum deutschen Einmarsch am 17. Juni 1940 Lehrling bei Renault war. Dann floh er unter chaotischen Bedingungen für 3 Monate nach Sète, kehrte aber wieder zu seiner Tante ins besetzte Paris zurück. Dort verbrachte er die meiste Zeit in der Bibliothek mit dem Studium der französischen Dichter. 1942 veröffentlichte er 13 Gedichte unter dem Titel „à la venvole“.

Er litt darunter, dass er, wie er sagte, „nichts hatte und nichts konnte“. Im März 1943 wurde er von den Nazis vor die Wahl gestellt, entweder als S.T.O.-Zwangsarbeiter (Service de travaille obligatoire) nach Deutschland zu fahren, oder aber, auf fremde Hilfe angewiesen, wie viele andere in den Untergrund zu gehen (die Mairie des 14. Arrondissements hatte seinen Personalausweis und seine Lebensmittelkarten als Pfand eingezogen). Er hatte in Paris aber kaum Kontakt zur Resistance. Er bekannte später: „Ich wollte aber auch nicht den Helden spielen, also bin ich gefahren... ich hatte keine Angst“. Er arbeitete ein Jahr lang im (inzwischen abgerissenen) BMW-Flugzeugmotorenwerk in Basdorf nördlich von Berlin. Im März 1944 nutzte er einen zehntägigen genehmigten Heimaturlaub nach Paris, um sich bis zur Befreiung am 25. August in der Wohnung von Jeanne Le Bonniec und ihrem Partner Marcel Planche in der Impasse Florimont 9 zu verstecken. Sie wurden seine Freunde fürs Leben und er blieb bei ihnen bis zum Tod Marcels, 1966. Er schrieb dort, katzenkraulend auf seinem Bett sitzenden, den größten Teil seines Repertoires. Auf die 30 Jahre älteren Jeanne und Marcel schrieb er sein berühmtestes Lied („Chanson pour l’Auvergnat“) und auf ihre Ente „La cane de Jeanne“.

1952 hatte er seine ersten erfolgreichen öffentlichen Auftritte im Pariser Cabaret der bekannten Chansonsängerin Patachou, der er seine Lieder angeboten hatte. Sie befand jedoch kurzerhand, dass diese viel besser von ihm selbst vorzutragen seien und stellte ihn persönlich ihrem Publikum vor. Zu seinen ersten öffentlich vorgetragenen Chansons gehörte „Le gorille“, ein Lied gegen die Todesstrafe, das bis 1955 in Frankreich Rundfunkverbot hatte. (In Frankreich gibt es bis heute diese Zensur!) Bald folgten die ersten Plattenaufnahmen. In den 50er und 60er Jahren wurde er zu einem der populärsten Vertreter des französischen Chansons überhaupt. Politisch stand er, wie auch sein Kollege Léo Ferré, den Anarchisten nahe. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hatte er Ende der 40er Jahre gelegentlich als „Jo La Cédille“, „Gilles Corbeau“ und „Pépin Cadavre“ für die Zeitung „Le Libertaire“ der Fédération Anarchiste geschrieben.

Er lebte eher zurückgezogen und bevorzugte persönliche Freunde vor jedem Starrummel („Les copains d’abord“). Er wohnt auch nicht mit seiner 10 Jahre älteren, estnischen Lebensgefährtin Joha Heyman zusammen, die er 1947 kennen lernte und die er zärtlich (auf deutsch) „Püpchen“ nannte. Sie begleitete ihn zeitlebens auf fast allen seinen Tourneen (Siehe „La non-demande en mariage“ und „Je m’suis fait tout p’tit“). Nach Erscheinen jeder neuen Langspielplatte trat er jeweils einige Monate in Frankreich auf. Im Ausland trat er zweimal in Luxemburg und je einmal in Großbritannien (dieses Konzert erschien als einzige Brassens-Live-Aufnahme) und der Schweiz auf. In dem Film Porte des Lilas (deutsch: Die Mausefalle) von René Clair (1956) spielt er den „Artiste“ und singt dort auch einige seiner Chansons, darunter „Porte des Lilas“.

Die 70er Jahre waren bereits von schwerer Krankheit überschattet. Er litt an Nierenkrebs, wurde 1980 operiert und starb, gerade 60 Jahre alt geworden, am 29. Oktober 1981 in Saint-Gély-du-Fesc in der Nähe seiner Geburtsstadt. Er ruht gegenüber dem Museum „Espace Georges Brassens“ auf dem Friedhof „Le Py“ in Sète, nicht weit vom Strand, wie er sich in seiner „Bittschrift, am Strand von Sète bestattet zu werden“ gewünscht hatte. Nach seinem Tod wurde ein Park in der Nähe seiner Pariser Wohnung auf den Namen “Parc Georges Brassens“ umbenannt.

Alle Copyrights an den Brassens-Werken sind übrigens heute bei „Warner Chappell Music France“ gelandet. Ob das dem alten Anarchisten heute wohl gefallen wüde?

          zurück zum Inhalt          

Imprint / Impressum

Brassens chanté en allemand
Leobald Loewe
  published by:
ABSÄNGEREI & BRASSENSERIE
leo.kowald.org, Gelsenkirchen
CopyLeft (creative commons)
©© 2013 Leobald Loewe


          zurück zum Inhalt