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Tötet das Mammon
Das Mammon ist kein Fabeltier,
ein Götze ist's, halb Bär, halb Stier,
gefährlich ist das Mammon.
Es streift in seinem Jagdrevier
umher und leidet große Gier,
gefräßig ist das Mammon.Die Marge ist sein Lebenssinn,
es kann vom wachsenden Gewinn
den Hals nicht voll bekommen,
und was es nicht verschlingen kann,
davon legt es sich Vorrat an,
es investiert, das Mammon.
Es investiert in Unternehmen,
wo ihm Menschen an Maschinen
Nahrung produzieren.
Und wenn sie dafür artig sparen,
dürfen sie in seinen Waren-
tempeln konsumieren.Ministern dreht es Waffen an,
womit's am Krieg gewinnen kann
und lässt sich Zinsen geben,
es feiert mit bei Siegparaden,
Zivilisten und Soldaten
kostet es das Leben!
Es investiert in Immobilien,
fördert Rohstoff in Brasilien
und den Emiraten.
und wenn die Immobilien bröseln
und die Rohstoffbörsen kriseln
spielt's mit Derivaten.Sein Vorrat schwillt gewaltig an
und fängt der mal zu faulen an
und seine Kurse fallen, 
dann kann's Verluste schlecht ertragen,
muss sich neue Beute schlagen,
frischen Vorrat krallen.
Auf seiner wilden Jagd nach Spendern
nimmt es Geiseln, ganzen Ländern
droht es mit Zerrüttung.
Es braucht sofort Ersatz in bar,
es nötigt Parlamente gar
zur großen Banken Rettung.In rigorosen Spar-Ritualen
soll'n die Menschen Opfer zahlen,
bürgen stets die Armen!
So werden die Vermögenslos-
en ihre Existenzen los
in endlosen Reformen.
Das Monster wächst, wird immer größer,
jede Krise macht es böser,
wütender und wilder!
Längst zieht es eine breite Fährte
purer Not hinter sich her
- kahlgefress'ner Felder.Wo sind die Menschen, die sich sehnen,
nicht dem Reichtum mehr zu dienen,
eingesperrt im Käfig?
Wann werden sie die Bestie töten
und aus ihrem Käfig treten?
Mammon herrscht nicht ewig!




 
Am	/	Dm6	E7	(Blues-Version)
Am	/	Dm6	E7
F 	G	Am7	/	Dm6	E7 
Am	/	Dm6	E7
Am	/	Dm6	E7
F 	G	Am7	/	A7	/
Dm	/	G7	A7
Dm7	/	E7	Am
F7	/	E7	/	/	/   
A7	/	D97	E7
A7	/	Bb7	C7	/
F 	G	A	-	E7

Am	/	G	Am	(Lied-Version)
E7	/	Am	Em
Am 	G6	Am	/ 	/ 
Am	/	G	Am
E7	/	Am	Em
Am 	G6	Am	/ 	A7
Dm	/	G6	A7
Dm7	/	E7	Am
F7	/	E7	/	/
Dm	/	E7	Am
G	/	Am	E
Am	G6	Am	/ 	/


(Leo Kowald 19.5.2010)


Es geht mir hier nicht ums Geld, sondern um den Reichtum, hier in seiner reinsten und aggressivsten Form, dem Finanzkapital. Dem ist es völlig Wurst, was es besitzt, Hauptsache, es wirft möglichst viel und zuverlässig Gewinn ab.


Das Wort „[der] Mammon“ leitet sich vom aramäischen Wort mamona = [Privat-]Vermögen, Reichtum, Eigentum ab. Es gelangte über seine griechische Schreibweise in die Bibel, in der Vulgata wird daraus lateinisch mam[m]ona. Martin Luther übersetzte das Wort nicht und so gelangte es als Mammon ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche. Ich habe bewusst aus dem männlichen Mammon ein sächliches Wesen gemacht um seine Bestialität zu unterstreichen.


'linkswende.org' 06/2010: „Jetzt hat Finanzminister Schäuble »mit Unverständnis« auf die Kritik am deutschen Sparkurs reagiert. Es seien doch die hohen Defizite gewesen, die erst die Krise ausgelöst hätten. Tatsächlich droht ein Szenario wie 1931, als die großen Industrienationen in einen gegenseitigen Abwertungswettlauf getreten sind, alle versuchten zugleich durch Abwertung und Sparhaushalte ihre Konkurrenzfähigkeit zu steigern und so mit Hilfe von höheren Exporten ihre Krise auf Kosten des Rests der Welt zu lösen. Das Ergebnis ist bekannt: die Weltkonjunktur brach erst richtig ein, der Welthandel zwischen den großen Wirtschaftsblöcken brach weitgehend zusammen. Schäubles Argument, dass die Krise durch hohe Staatsverschuldung ausgelöst worden sei, stimmt für Europas Importländer, es stimmt nicht für das Exportland Deutschland, welches ja gerade vom Handelsbilanzdefizit der anderen Staaten profitierte. Die Bundesregierung nutzt nur die Griechenlandkrise, um ihre ohnehin schon starke Stellung innerhalb der EU noch zu steigern und sie erhöht damit die Gefahr, dass die Weltwirtschaftskrise wieder erneut ausbricht.“


Die „Neues Deutschland“ berichtete am 8. Mai 2010 über eine Beinahe-Börsen-Crash in New York:
„Es hatte am Donnerstag genau in dem Moment den größten Ausschlag nach unten gegeben, als Händler Bilder von neuen Demonstrationen in Athen sahen. >Wir erkennen nun, dass Griechenland in den nächsten Jahren eine Depression durchmachen wird<, warnt US Analyst Peter Boockvar. >Europa ist wichtiger Handelspartner von uns und das bedroht die gesamte globale Wachstumsstory.<“. - Für mich alten unverbesserlichen Marxisten ist übrigens nicht das Wachstum (des Mammons) das Problem, sondern das Mammon (Kapital) selber.


Es genügt, die Handelkrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. - Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert. — Aus dem kommunistischen Manifest, Karl Marx und Friedrich Engels, 1847


Warum sinkt der Lebensstandard angesichts des gewaltigen technischen Fortschritts?

Weil der globale Götze des Reichtums, das MAMMON, sich die Früchte des Forschritts aneignet und die Konkurrenz der Länder untereinander um den besten MAMMON-Standort besonders seit dem Zerfall des antimammonistischen Lagers dazu nutzt, die Position der von ihm scheinbar so abhängigen Menschen zu schwächen.

Die dabei erzielten Profite übersteigen bei weitem das, was das MAMMON angesichts schrumpfender Massennachfrage wieder gewinnbringend angelegen kann. Das führt zu immer wiederkehrenden Krisen des MAMMONs und zur unverhofften Entwertung seiner angesammelten überschüssigen Profite - sein riesiges Vorratslager fault einfach weg.

Mit anderen Worten: Weil das MAMMON den Hals nicht voll kriegen kann und sich dabei regelmäßig überfrisst, geht es dem Rest der Welt immer dreckiger. Einfache Lösung, die so schwer zu machen ist (Brecht): Expropriation der Expropriateure (Marx), Enteignung der Ausbeuter, TOD DEM MAMMON!

Oder wenigstens: Ernsthafe Versuche, die krisenverursachende Kapital-Überakkumulation durch Besteuerung oder durch eine aktivere Lohnpolitik umzuverteilen! Das geht aber nicht ganz ohne nationenübergreifende Solidarität!

Alle Versuche, das übergewichtige MAMMON zu retten, machen es nur noch fetter und gefräßiger. Und die Menschen werden immer größere Opfer für den Erhalt des MAMMONS aufbringen müssen.

(Aus diesen Prosa-Überlegungen ist das Mammon-Lied entstanden, L.K.)