Hiroshima
(deutsch von Leobald Loewe, Nov. 2016, frei nach "Hiroshima" von Georges Moustaki, 1973)

Zur Taube, die den Ölzweig hält,
zu dem Gefangenen, gequält,
zum Kind das heut’ geboren wird
kommt er, vielleicht ist er morgen da.

Mit allen Worten, die gesagt,
mit jeder liebevollen Tat,
trotz Hungersnot und Todesfurcht,
kommt er, vielleicht ist er morgen da.

Für jene, die gestorben sind,
und jene, die am Leben sind
und die ihr ganzes Leben woll’n,
kommt er, vielleicht ist er morgen da.

Mit schwachen Männern, starken Frau’n,
mit Menschen, die sich was getrau’n
auch wenn sie viel zu wenig' sind,
kommt er, vielleicht ist er morgen da.

Wo Träume aufgegeben sind,
wo Hoffnungen zerbrochen sind,
nach Hiroshima übers Meer
kommt er, vielleicht ist er morgen da,
der Frieden.

   


Par la colombe et l'olivier,
par la détresse du prisonnier,
par l'enfant qui n'y est pour rien,
peut-être viendra-t-elle demain.

Avec les mots de tous les jours,
avec les gestes de l'amour,
avec la peur, avec la faim,
peut-être viendra-t-elle demain.

Par tous ceux qui sont déjà morts,
par tous ceux qui vivent encore,
par ceux qui voudraient vivre enfin,
peut-être viendra-t-elle demain.

Avec les faibles, avec les forts,
avec tous ceux qui sont d'accord,
ne seraient-ils que quelques-uns,
peut-être viendra-t-elle demain.

Par tous les rêves piétinés,
par l'espérance abandonnée,
à Hiroshima, ou plus loin,
peut-être viendra-t-elle demain,
la Paix !

Georges Moustaki wurde am 3. Mai 1934 als Sohn des sephardischen jüdisch-griechischen Buchhändlers Nissim Mustacchi und dessen Frau Sara in Alexandria, Ägypten, geboren. Im kosmopolitischen Klima dieser Stadt lernte er neben seiner griechischen Muttersprache Italienisch, Arabisch und Französisch. Aufgrund der Affinität seiner Eltern zur französischen Kultur besuchte Moustaki eine französische Schule, wo er ersten Kontakt zum französischen Chanson bekam. Auch die Konzertbesuche mit seinen Eltern hinterließen einen bleibenden Eindruck bei ihm. Nach Beendigung der Schule ging er 1951 nach Paris. In dieser Zeit begann er erste Chansons zu schreiben. Er begegnete Georges Brassens, dessen Ermutigung ausschlaggebend war, sich für eine Karriere als Musiker zu entscheiden. Als Hommage an Brassens wählte Moustaki den Vornamen Georges für sein Pseudonym. 1958 lernte er Édith Piaf, ein weiteres Idol seiner Jugend, kennen und begann mit der 18 Jahre älteren Frau eine kurze Liebesaffäre. Für sie textete er das erfolgreiche Chanson Milord zur Musik von Marguerite Monnot.

Georges Moustaki starb am 23. Mai 2013 in Nizza an einer Lungenkrankheit, an der er schon seit mehreren Jahren gelitten hatte. Wegen dieser Krankheit hatte er sich 2009 von der Bühne zurückgezogen, nachdem er sein letztes Konzert in Barcelona hatte abbrechen müssen. Sein Grab befindet sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise (Division 95).